Der monatlich stattfindende Gesprächskreis widmete sich am 03. Mai 2013 einem wichtigen Thema: Dem Rettungsdienst und seiner Bedeutung für Defi-Patienten. Als Fachexperte referierte Herr Dr. Oberfeld, Facharzt für Innere Medizin, internistische Intensiv- und Notfallmedizin, Schwerpunkt Kardiologie am Universitätsklinikum Münster (UKM).

Den Defi-Patienten brannte zuallererst eine Frage auf den Nägeln: Wie genau wissen die Notärzte um die Behandlung von Defi-Patienten Bescheid? Dr. Oberfeld klärte auf: Die Verantwortung des Rettungsarztes sei groß, antwortete Dr. Oberfeld, denn dieser müsse die gesamte Breite der Notfallmedizin abdecken können. Dafür werde er zwei Jahre lang ausgebildet. Menschen mit einem Defibrillator seien dabei lediglich ein kleiner Teilbereich, mit dem ein Notarzt und der Rettungsdienst in der Ausbildung konfrontiert würden. In der Ausbildung finde das Thema einer Defi-Therapie aber zunehmend Beachtung. So fänden zunehmend spezifische Fortbildungen statt, so Dr. Oberfeld. Zudem strebe das UKM an, den Rettungsdienst im Bezirk Münster zu diesem Thema umfassend zu informieren. Doch aufgrund der bestehenden Wissenslücken, sei es sehr hilfreich für den behandelnden Notarzt, wenn Informationen zu Erkrankungen, Medikamenten und der letzte Arztbericht zur Verfügung stünden.

Die Teilnehmer wollten außerdem wissen, wie ein Notarztwagen ausgestattet sei. Dr. Oberfeld zeigte anhand von Folien, dass durch ein Gerät im Notarztwagen ein vollwertiges EKG geschrieben werden könne und dass auch eine große Palette von Medikamenten im Notarztwagen zur Verfügung stehe.

Weiterhin wollten die Teilnehmer erfahren, wohin die Reise im Rettungswagen dann für den Patienten gehe. Konkret: Wird bei einem Einsatz aufgrund von Schockabgaben eines Defibrillators immer das nächstliegende Krankenhaus angefahren oder wird der Patient auch in ein weiter entfernteres Krankenhaus gebracht, in dem der Defibrillator eingelesen werden könnte, bzw. die gesamte Vorgeschichte des Patienten bekannt ist?

Das werde unterschiedlich gehandhabt, antwortete Dr. Oberfeld. In der Regel sei es dem Rettungsdienst nicht möglich, weit entlegene Krankenhäuser anzufahren, weil er für mögliche anschließende Einsätze vor Ort zur Verfügung stehen muss. Manchmal benötige ein Patient auch so schnelle Hilfe, dass keine weiten Wege gefahren werden könnten. Im Einzelfall könnten Patienten aber nach der Erstbehandlung in ein entsprechendes Krankenhaus weiter verlegt werden.

Ob ein Notarzt in der Lage sei, den Defibrillator auszuschalten, wenn die Schockabgaben nicht enden wollen, war eine weitere Frage. „Wenn klar ist, dass es sich um einen "elektrischen Unsinn" handelt“, sagte Dr. Oberfeld, „wird er ausgestellt.“ Dies erfordere in der Regel aber auch Erfahrung und viel Verantwortung.

Was können Defi-Patienten tun, um die Arbeit der Rettungsärzte zu erleichtern?

Die meisten Einsätze für Defi-Patienten finden in ihrem häuslichen Umfeld statt, erklärte Dr. Oberfeld. Bestenfalls sollte der Patient alle möglichen hilfreichen Informationen bereit liegen haben. Es wäre wörtlich „ein Highlight“, wenn alle aktuelle Berichte, die Informationen der letzten Defi-Abfrage, Medikamente usw. auf einem "Stick" gespeichert würden, sagte Dr. Oberfeld, „und wir hiermit und hiernach handeln und reagieren könnten.“

Dieser Stick sollte dann aber auch immer die neuesten Infos enthalten. Solche Datenträger sind schon ab 3 Euro im Handel erhältlich. Es reicht aber auch ein aktueller Arztbrief.

Einstimmig kam die Gruppe überein, dass die Installation eines "Hausnotrufs“ besonders für alleinstehende Patienten Sinn macht.

Außerdem stellte sich noch die praktische Frage, warum Rettungsdienst und Notarzt eigentlich immer in getrennten Fahrzeugen eintreffen? Dr. Oberfeld klärte auf, dass die Tätigkeit der Rettungsassistenten und des Notarztes unterschiedliche Zeiten beanspruchten.

An diesem Nachmittag wurden viele offene Fragen beantwortet und Sorgen genommen. In der Einladung an die Defi-Patienten stand, dass der Referent Dr. Oberfeld, den Teilnehmern zu themenspezifischen und allgemeinen Fragen „Rede und Antwort stehen wird“. „Und so war es auch!“, sagte eine Teilnehmerin. „Es ergaben sich nach und schon während des Vortrags viele Fragen von uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die von Herrn Dr. Oberfeld lebendig, sehr gut verständlich und für jeden Fragenden konkret und patientenbezogen, also hilfreich beantwortet wurden.“

Der Einladung waren auch vier neue interessierte Betroffene gefolgt. Sie freuten sich anschließend darüber, dass sie sich mal aussprechen konnten, ihnen zugehört wurde, ihre Anliegen verstanden wurden und dass sie vor allem auch verständliche Antworten von Dr. Oberfeld und anderen Betroffenen der Gruppe erhalten hatten.

Laut einer Teilnehmerin war es „ein anregender, interessanter und informativer Treff von und mit der Defi-Gruppe!“

An Herrn Dr. Oberfeld an dieser Stelle nochmals vielen Dank für sein Engagement und seine lebendigen, klaren und immer wieder auch humorvollen Ausführungen zu den Fragen rund ums Thema „Rettungsdienst und Defi-Patienten“.

 

Dr. Oberfeld

Dr. med. Jörg Oberfeld   
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Internistische Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schwerpunkt Kardiologie

Gesprächskreis am 07.05.2013

TeilnehmerInnen des Gesprächskreises am 03.05.2013

 

Text: Lena Gilhaus