Am 07.02.2014 fand das erste Treffen unserer Selbsthilfegruppe im neuen Jahr 2014 statt. Das Wetter, draußen, mit heftige Stürmen, machte uns etwas besorgt bezüglich des Kommens und der Anreise zu diesem Treffen. Und es erstaunte und erfreute uns umso mehr, dass 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Gruppe, aus Münster und aus der näheren und auch weiteren Umgebung gekommen sind!

Anwesend war Herr Dr. Florian Reinke, Kardiologe der Abteilung für Rhythmologie, der Uni-Klinik Münster, der, wie er sagt, gern zu unseren Treffen - mit unseren Fragen und Anliegen - kommt und wir uns sehr darüber freuen!    

Es ist eine entspannte und lockere Atmosphäre, bei der schon alle ihre Tasse Kaffee oder ihren Tee und ein Stück Kuchen vor sich haben. Und es zeigt sich, dass es viele Fragen an Herrn Dr. Reinke gibt, wie folgende Auswahl zeigt:

Ich lebe allein, wie kann ich hinsichtlich einer möglichen Notsituation vorsorgen?
"Sich einen Hausnotruf installieren zu lassen, ist eine gute Möglichkeit."

 Ich möchte ins europäische Ausland reisen, wäre ich auch dort gut versorgt? Ist dort z. B. eine kompetente Defi-Abfrage möglich?
"Sich hierzu vorher genau kundig machen, wo eine Defi-Kontrolle möglich ist (mit genauer Adresse und Telefonnummer)! und alle erforderlichen Unterlagen und Ausweise immer bei sich haben!"

Ich nehme das Medikament"Marcumar", muss es vor einem Defi-Wechsel vorher rechtzeitig abgesetzt werden?
"Nein, es ist heute erwiesen, dass, ausser bei grösseren Eingriffen, unter Beibehalt der Marcumar-Medikation weniger Blutungskomplikationen auftreten."

Wie oft sollte oder muss eine Katheter-Untersuchung gemacht werden?
"Die Indikation wird heute strenger gestellt, Routinekontrollen bei Beschwerdefreiheit sind nicht mehr üblich. Selbstverständlich ist sie erforderlich bei einem akuten Herzinfarkt oder typischen Beschwerden und entsprechenden Risikofaktoren."

In welchem Rahmen gelten Bluckdruckwerte noch als normal oder akzeptabel?
"Hierzu gibt es aktualisierte Empfehlungen, ein allgemeingültiger Wert ist 140/90mmHg."

Wie kann man unnötige Defi-Schocks vermeiden?
"Heutzutage programmiert man Defis aufgrund aktueller Studiendaten „großzügiger“, d.h. man programmiert die Erkennungsfrequenzen höher und die Zeiten bis zur Erkennung einer echten Rhythmusstörung länger. So kann man effektiv, ohne den Patienten zu gefährden oder das Risiko von Bewusstseinsstörungen in Kauf zu nehmen, die Anzahl von unnötigen, belastenden Defi-Schocks reduzieren."

Fragen zur Pumpleistung des Herzens (Ejektionsfraktion kurz "EF-Wert“) und der Defi-Implantation
"Je schlechter die Pumpfunktion des Herzens, desto höher ist auch das Risiko für bedrohliche Herzrhythmusstörungen. Eine prophylaktische Defi-Implantation erfolgt ab EF von ca. 35%."

 Wann stellt man einen Defi aus? Gibt es Situationen, in denen eine Deaktivierung sinnvoll und richtig ist? Etwa bei einer schweren Erkrankung, die möglicherweise das Ende meines Lebens bedeuten kann?
"Bereits bei der Implantation sollte man sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass ein Defi jederzeit deaktiviert werden kann, etwa auf Wunsch des Patienten, bei schweren Erkrankungen, bei denen mit dem Tod gerechnet werden muss, wenn die Medizin an ihre natürlichen Grenzen kommt. Jeder Defi-Patient sollte sich hierzu Gedanken machen und dieses Thema mit Angerhörigen oder Freunden besprechen. Kardiologen helfen gerne, diese Gespräche zu moderieren und Informationen und Tips zu geben. Besteht eine Patientenverfügung, sollte auch die Möglichkeit der Defi-Deaktivierung in die Verfügung aufgenommen werden. Selbstverständlich wird ein Defi nur nach ausführlicher Besprechung des Behandlungsteams, was aus verschiedensten Fachärzten und Kardiologen besteht, und dem Patienten bzw. seinen Angehörigen deaktiviert. Eine Re-Aktivierung ist natürlich auch jederzeit möglich.

Es gab noch viele weitere Fragen - und jede wurde ernst genommen und verständlich sowie bis zur Zufriedenheit des Fragenden und in einem lockeren Gesprächskontakt von Herrn Dr. Reinke beantwortet. Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Dr. Reinke für sein Kommen und den durch ihn für uns alle als sehr angenehm erlebten Nachmittag.

So konnten wir uns mit hilfreichen Informationen, erleichtert von Fragen und Unsicherheiten - bei inzwischen etwas weniger stürmischem Wetter - auf den Heimweg machen.