Den Freitag nach Christi Himmelfahrt nutzen viele als Brückentag und »... sind dann mal weg«. Nicht so die Kardiologen Dr. Thomas Schawe und Oberarzt Dr. Matthias Grude aus dem Josephs-Hospital in Warendorf. Sie waren stattdessen nach Münster gekommen, um im Juni-Gesprächskreis der Defi-Liga e.V. über den Einsatz und die Therapie mit Beta-Blockern bei ICD-Patienten zu sprechen.

Trotz voller »Himmelfahrts-Straßen« fanden wieder rund 30 Teilnehmer_innen den Weg zu einem anregenden Abend mit vielen Fachinformationen – und dem gewohnt intensiven und persönlichen Austausch. So war der Referent Dr. Schawe am Ende des Abends begeistert von den interessierten Gästen. Auch Dr. Grude, der gemeinsam mit Dr. Schawe die Fragerunde bestritt, war beeindruckt vom Fachwissen der Gäste und ihren zahlreichen Fragen auf hohem Niveau. »Zu solchen Veranstaltungen kommen wir gerne wieder«, lautete denn auch ihr Fazit nach zwei Stunden anregendem Austausch.

Die angenehme Atmosphäre und die wohl temperierten Räume in der Akademie Franz Hitze Haus trugen zusätzlich dazu bei, dass die schwüle Witterung niemanden belastete, sondern alle sich rundum wohl fühlen konnten.

Da auch an diesem Freitag wieder neue Gäste den Gesprächskreis besuchten, passte es wunderbar, dass Dr. Thomas Schawe – der Referent des Abends – zunächst auf die unterschiedlichen ICD-Typen und die Implantationszahlen einging. Wichtig für die »Neulinge« waren auch sein informativer Überblick über die Risikogruppen bzw. die Krankheitsbilder, bei denen die Implantation eines ICD möglich oder sogar nötig ist.

Therapien bei Herzkrankheiten

Auch über die verschiedenen therapeutischen Methoden bei Herzerkrankungen hatte Dr. Schawe zahlreiche Informationen vorbereitet. So sprach er über die Formen der Elektrotherapie, zu denen die Defibrillation, die Kardioinversion und die Antitachykarde Stimulation zählen. Des Weiteren könne man Herzerkrankungen mit pharmakologischen Mitteln, mit einer Katheterablation oder über chirurgische Eingriffe therapieren. Bei der pharmakologischen Therapie gebe es zahlreiche Medikamente, die eingesetzt werden können. Zu ihnen zählen unter anderem auch die Beta-Blocker, auf die Herr Dr. Schawe noch speziell eingehen wolle. Am Ende war allen klar: Jede Therapiemethode muss an die individuelle Vorerkrankung sowie den momentanen Status Quo der Patienten angepasst werden. Beispielhaft erläuterte Dr. Schawe eine medikamentöse Therapie für die verschiedenen Stadien einer Herzinsuffizienz.

Medikamente bei Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz ist die krankhafte Unfähigkeit des Herzens, die vom Körper benötigte Blutmenge ohne Druckanstieg in den Herzvorhöfen zu fördern. Liege als Ursache eine Koronare Hererkrankung vor, setze man zur Prophylaxe auf Aspirin, ACE-Hemmer und Beta-Blocker. Auch bei der Arteriellen Hypertonie setze man in der Prävention auf Aspirin und Beta-Blocker. Daneben sind auch At II Antagonisten, Ca2-Antagonisten und Thiazide wirksam. Bei einer aktuen Dekompensation einer Herzinsuffizienz kommen Diruretika, Vasodilatatoren (Nitrate) und positiv intrope Substanzen zum Einsatz. Sei eine dann Herzinsuffizienz chronisch, setze man bei der medikamentösen Therapie auf ACE-Hemmer, ebenfalls auf Beta-Blocker, Aldosteron-Antagonisten, AT II Antagonisten, Diuretika sowie Digoxin. Auch im Endstadium einer chronischen Herzinsuffizienz wirken neben ACE-Hemmern, Aldosteron-Antagonisten und AT II Antagonisten wiederum Beta-Blocker. Als Alternativen bleiben hier außerdem die Implantation eines ICD und die Herztransplantation. Nach diesen einführenden Erläuterungen war der Bogen zu den Beta-Blockern geschlagen, die im Mittelpunkt des Abends standen.

Betablocker – wie und wobei sie wirken

Beta-Blocker sind Arzneistoffe, die im Wesentlichen die Herzfrequenz und die Kontraktionskraft des Herzens senken. Sie erreichen das, indem sie die Wirkung des Stresshormons Adrenalin und die Wirkung des Neurotransmitters Noradrenalin hemmen. In der Folge führt das dazu, dass der Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur und der arterielle Blutdruck sinken.

Beta-Blocker sind keine Anti-Arrhythmika im engeren Sinne. Dennoch kommen sie bei zahlreichen Formen von Herzrhythmusstörungen zum Einsatz. Auch bei vielen ICD-Patienten führt eine Therapie mit Beta-Blockern zu signifikant besseren Prognosen. Zahlreihe Studien, so Herr Dr. Schawe, untermauerten ihre Wirkung. »Sie gehören« so Schawe, »zu den wichtigsten Säulen in der medikamentösen Therapie und sind aus der Pharmakologie nicht mehr wegzudenken.« Die Wirkung von Beta-Blockern sei gut belegt und ihr Nebenwirkungsprofil sei ebenfalls günstig. Zu den Nebenwirkungen, die beschrieben seien, zählten Stoffwechselstörungen, Fetteinlagerungen, Potenzprobleme bei Männern und Müdigkeit. Auch Diabetespatienten müssen sehr fein eingestellt werden. »Insgesamt« so Schawe, »zeigen viele anerkannte Studien aber, dass sich durch die Gabe von Beta-Blockern Krankenhausaufenthalte reduzieren und die Mortalität sinkt.« Nicht zuletzt deshalb zählten Beta-Blocker zu den am meisten verschriebenen Medikamenten überhaupt.

Herzinfarkt

Beta Blocker zählen zu den wichtigsten und nachgewiesen lebensverlängernden Medikamenten bei einer stabilen Angina Pectoris und nach einem Herzinfarkt. Einen großen Effekt erzielen Beta-Blocker am Erregungsleitungssystem des Herzens (Sinusknoten und AV-Knoten).

Supraventrikuläe Trachykardien

Als ebenfalls effektiv gelten Beta-Blocker bei der Prophylaxe und in der Therapie von supraventrikulären Tachykardien. Damit bezeichnet man Herzrhythmusstörungen, die mit einem unangemessen schnellen Puls einhergehen und ihren Ursprung oberhalb der Herzkammern haben. In der Prophylaxe verlieren Beta-Blocker hier jedoch gegenüber der Katheterablation zunehmend an Bedeutung.

Vorhofflimmern

Treten bei Patienten nur kurze Vorhoffflimmer-Episoden auf, können sie über die Gabe von Beta-Blockern häufig beschwerdefrei leben. Ist der Sinusrhythmus des Herzens mit Beta-Blockern jedoch nicht zu erhalten, kommen Antiarrhythmika zum Einsatz. Ihr Ziel ist, die Konversion in die normale Herzfrequenz herzustellen. Ist die medikamentöse Therapie ausgereizt, kommt hier auch die Ablationstherapie in Betracht.


Text: Birgit Schlepütz, Münster

Volles Haus trotz Brückentag: Rund 30 Gäste hatten den Weg zum Juni-Gesprächskreis gefunden – darunter auch wieder einige neue Gäste. Belohnt wurden sie dafür mit dem typischen »Defi-Mix«: fachlicher Input auf hohem Niveau, ausreichend Zeit für drängende Fragen und ein intensiver persönlicher Austausch.Volles Haus trotz Brückentag: Rund 30 Gäste hatten den Weg zum Juni-Gesprächskreis gefunden – darunter auch wieder einige neue Gäste. Belohnt wurden sie dafür mit dem typischen »Defi-Mix«: fachlicher Input auf hohem Niveau, ausreichend Zeit für drängende Fragen und ein intensiver persönlicher Austausch.

Gutes Tröpfchen nach anregendem Austausch: Nach dem informativen Gesprächsabend bedankten sich Andreas Belz (li.) und Angelika Däne herzlich bei Dr. Thomas Schawe (2.v.li) und Oberarzt Dr. Matthias Grude für ihren ehrenamtlichen Einsatz.Gutes Tröpfchen nach anregendem Austausch: Nach dem informativen Gesprächsabend bedankten sich Andreas Belz (li.) und Angelika Däne herzlich bei Dr. Thomas Schawe (2.v.li) und Oberarzt Dr. Matthias Grude für ihren ehrenamtlichen Einsatz.