Vom Home Monitoring bis zur LifeVest: Angelika Däne begrüßte Dr. Markus Bettin zu einen Überblick über die neuesten Entwicklungen in der MedizintechnikVom Home Monitoring bis zur LifeVest: Angelika Däne begrüßte Dr. Markus Bettin zu einen Überblick über die neuesten Entwicklungen in der Medizintechnik.Der Gesprächskreis am 8. Mai widmete sich dem Status Quo der Medizintechnik. Dr. Markus Bettin, Kardiologe am Herzzentrum des Universitätsklinikum Münster (UKM), gab den Gästen in der Akademie Franz Hitze Haus einen fundierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen. So ging es beim letzten Gesprächskreis vor der Sommerpause vor allem um Technik, die zum Wohl der Patienten immer kleiner wird.

Denn analog zu anderen technologischen Bereichen schrumpfen auch medizinische Geräte und Implantate. Überdeutlich wurde dies, als Dr. Bettin die Entwicklung der ICD in Bildern nachvollzog: In den 1980er Jahren waren Apparaturen zu sehen, die eher an selbstgebaute Radios erinnerten, als an medizinische Geräte. Und heute? Mittlerweile arbeitet zum Beispiel die Telemedizin mit streichholzkleinen Sendern, die regelmäßig Daten an den behandelnden Arzt übertragen und so eine sehr dichte Überwachung der Patienten ermöglichen. Viele Defi-Patienten fühlen sich damit sicherer. Denn mit diesen Systemen können sie sogar auf Reisen im ständigen Kontakt mit ihrem Arzt oder einer Klinik am Reiseziel stehen. Und sind damit auch ein Stück weit mobiler als zuvor.

Erst die Arbeit und dann: Georg Duchna bedankte sich im Namen der Defi-Liga bei Dr. Markus Bettin für sein Engagement.Erst die Arbeit und dann...: Georg Duchna bedankte sich im Namen der Defi-Liga bei Dr. Markus Bettin für sein Engagement.Bei den rund 25 Gästen traf Dr. Bettin mit seinen Ausführungen auf reges Interesse – was auch durch deren engagierte Fragen deutlich zu spüren war. Vorsitzende Angelika Däne dankte Dr. Markus Bettin für den äußerst informativen Überblick. Beisitzer Georg Duchna überreichte dem Referenten einen Dankeschön-Wein und die Gäste schlossen sich beiden mit einem herzlichen Applaus an.

 

 

 

Home Monitoring

Vor allem die Entwicklung sogenannter Home Monitoring Systeme schreitet immer mehr voran. In der Diagnostik gilt der implantierbare Herzmonitor Reveal LINQ™ der Firma Medtronic zurzeit als das kleinste EKG der Welt. Er ist so lang wie ein handelsübliches Streichholz, hat eine Batterielaufzeit von etwa drei Jahren und wiegt 2,5 Gramm. Er überwacht den Herzrhythmus, erkennt Rhythmusstörungen und zeichnet automatisch ein Elektrokardiogramm (EKG) auf, wenn das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt. Automatisch oder nach Aktivierung des Patienten sendet er sog. »Reports« über das Internet an den behandelnden Arzt. Dieser kann darauf Auffälligkeiten erkennen und sich bei Bedarf beim Patienten melden. Auch bei einigen modernen ICD-Geräten besteht die Möglichkeit eines Home Monitorings. Dieses bietet:

  • • eine  technische Kontrolle des Aggregates
  • • die Überprüfung aller Systemparameter
  • • die rhythmologische Überwachung des Patienten
  • • eine frühzeitige Interventionsmöglichkeit
  • • eine optimale Betreuung mit ICD- und CRT-Systemen aufgrund integrierter Herzinsuffizienz-Module

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Die »klassischen« ICD

Um die Nachteile eines venösen ICD zu umgehen – z.B. Thrombosen oder Komplikationen der Elektroden im oder auf dem Herzen – entwickelte man den S-ICD. Er wird komplett unter der Haut implantiert und ist insbesondere für junge Patienten eine sinnvolle Ergänzung in der modernen Defibrillatortherapie. Hier sind die Aggregate zwar nicht so klein wie die venösen ICD – dafür bieten sie andere Vorteile. Zum Beispiel

  • • weniger Akutkomplikationen wie Sondendislokation, Pneumothorax oder
  • • Perikardtamponaden
  • • Geringeres Endokarditisrisiko
  • • Gefäßsystem wird geschont
  • • Infektionen sind leichter beherrschbar, da das System leichter zu explantieren ist

Diese Vorteile sind vor allem für junge Patienten, die auf lange Sicht auf einen Defi angewiesen sind, von Vorteil. Jedoch ist der S-ICD nicht für jeden Patienten geeignet. Die Indikation muss durch die behandelnden Ärzte gründlich geprüft werden. Die Sehnsucht nach nicht-venösen Systemen, so Dr. Bettin, sei allerdings bei allen Patienten deutlich vorhanden.

Der tragbare Defibrillator

Schließlich ging Dr. Bettin auch auf die allerjüngste Entwicklung ein: Dabei handelt es sich um die LifeVest der Firma ZOLL – eine tragbare Weste mit drei Defi-Elektroden, vier EKG-Monitor-Elektroden und einem Aggregat. So kann die LifeVest z.B. bei Patienten mit erhöhtem Risiko eines plötzlichen Herztodes bis zur definitiven Versorgung mit einem ICD eingesetzt werden. Dies kann auch nach Infektionen und Explantation eines ICD zum überbrückenden Schutz bis zur Reimplantation der Fall sein. Die LifeVest kann bis zu fünf biphasische Schocks abgeben. Erkennt das System eine ventrikuläre Arrhythmie, die eine Schockabgabe notwendig macht,  gibt das System eskalierende Alarme sowie Sprachansagen ab, um die umgebenden Personen zu warnen. Sofern der Patient bei Bewusstsein ist kann er über einen Response-Knopf reagieren und die Schockabgabe verzögern. Erst wenn der Patient nicht reagiert gibt die LifeVest einen Schock zur Terminierung der Rhythmusstörung ab.

Die Geräte werden immer kleiner, die Technik immer besser. Rund 25 Gäste waren zu diesem spannenden Thema in die Akademie Franz Hitze Haus gekommen.Die Geräte werden immer kleiner, die Technik immer besser. Rund 25 Gäste waren zu diesem spannenden Thema in die Akademie Franz Hitze Haus gekommen.