Sucht das Gespräch mit Patienten: Kardiologe Dr. Gregor Kerckhoff teilt sein Wissen und seine Zeit gerne mit den Menschen in der Defi-Liga. Seit Februar 2016 ist Dr. Kerckhoff auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der HERZ IN TAKT Defi-Liga e.V. Vorsitzende Angelika Däne dankte ihm für seinen Einsatz.Sucht das Gespräch mit Patienten: Kardiologe Dr. Gregor Kerckhoff teilt sein Wissen und seine Zeit gerne mit den Menschen in der Defi-Liga. Seit Februar 2016 ist Dr. Kerckhoff auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der HERZ IN TAKT Defi-Liga e.V. Vorsitzende Angelika Däne dankte ihm für seinen Einsatz. Foto: © DEFI-Liga"Ich habe gehört, hier sind Gäste willkommen. Da dachte ich, ich komme einfach mal vorbei." So stellte sich im Juli-Gesprächskreis eine Herzpatientin vor. Sie trage zwar keinen Defibrillator – habe aber von der guten Atmosphäre und dem fachlichen Austausch in der DEFI-Liga gehört. Die Dame war eine von vier neuen Gästen, die mit rund 40 weiteren Besucher_innen die Gelegenheit zum Dialog mit Dr. Gregor Kerckhoff suchten. Mit ihm trafen sie auf einen routinierten Kardiologen, der langjährig erfahren ist und leicht verständlich über sein komplexes Fachgebiet sprechen kann. Dr. Kerckhoff ist Arzt für Innere Medizin, Kardiologie, Hypertensiologie und unter anderem einer der ersten Kardiologen Deutschlands mit einer Zusatzqualifikation für die Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Bevor Dr. Kerckhoff in Coesfeld die Gemeinschaftspraxis "Kardiologie Münsterland" gründete, war er zuletzt Oberarzt des Universitätsklinikums Münster (UKM). Seit der letzten Mitgliederversammlung Ende Februar 2016 ist Dr. Kerckhoff auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Defi-Liga.

Das Gespräch mit Dr. Kerckhoff entwickelte sich dann aus einer Vorstellungsrunde heraus, in der zunächst alle, die mochten, etwas über ihre Diagnose und ihre Motivation zur Teilnahme am Gesprächskreis sagen konnten. Fragen zur individuellen Situation der Teilnehmer_innen ergaben sich dabei wie von selbst. Über ihre Motivation, zum Gesprächskreis zu kommen, sagten eigentlich alle unisono: Ich habe hier Menschen getroffen, mit denen ich offen sprechen kann und ich treffe hier Ärzte und andere Experten, die sich Zeit nehmen für meine Fragen. Die "Neulinge" suchten nach Hilfe in der unsicheren und aufregenden Zeit nach der Implantation. Partner_innen wiederum schilderten, wie hilfreich die gegenseitige Unterstützung auch für sie sei. Und schließlich steuerte Dr. Kerckhoff eine durchaus überraschend Perspektive zur Vorstellungsrunde bei, als er sagte: "Mir hilft der Austausch mit ihnen, weil ich selbst keinen Defi trage und hier viel über meine Patienten lernen kann. Wie allen meinen Kolleginnen und Kollegen fehlt mir in der Praxis für Gespräche, die über rein medizinische Fragen hinausgehen, leider einfach die Zeit."

Finden Sie hier einige der Themen, auf die Dr. Kerckhoff näher einging:

Was tun, wenn der Defi piept?

Das Wichtigste zuerst: Niemand muss umgehend in die Notfallaufnahme, wenn der Defibrillator piept. Er zeigt damit lediglich an, dass etwas nicht in Ordnung ist. Trotzdem sind manche Patienten oder auch ihre Angehörigen verunsichert – schließlich haben wir gelernt, ein Piepen als Alarmzeichen wahrzunehmen. Auch die Hersteller haben hier dazu gelernt und einige – eher verwirrende – Pieptöne abgestellt. Die Ursachen für ein Defi-Piepen können verschieden sein. So kann es zum Beispiel auf einen Batteriewechsel aufmerksam machen. Wenn man einen Vergleich heranziehen will, so kann man sagen: wenn der Defi piept, ist es, als ob im Auto die Benzinanzeige leuchtet. Man hat ausreichend Zeit, zur nächsten Tankstelle zu fahren um nachzutanken. So ist es auch mit dem Defi: wenn er piept, haben Patienten ausreichend Zeit, ihren Kardiologen aufzusuchen.

Was bedeutet es, wenn der Defi ein »Ereignis« aufzeichnet?

Auch bei dem Begriff »Ereignis« geht es um einen Begriff, der für Patient_innen etwas anderes bedeutet, als für Herstellerfirmen oder Kardiologen. Für den Patienten bedeutet Ereignis in aller Regel: Herzstillstand. Für die Herstellerfirma oder für Kardiologen hat der Defi bei einem Ereignis erst einmal »nur« eine Unregelmäßigkeit aufgezeichnet. Diese Unregelmäßigkeit können Kardiologen dann auslesen und bestimmen und bei Bedarf entsprechend darauf reagieren.

Was sind ideopathische Rhythmusstörungen?

Wichtigste Ursachen für Herzrhythmusstörungen sind erkrankte Herzkranzgefäße und/oder ein erkrankter Herzmuskel. Auch Störungen der Blutsalze, ein veränderter Kaliumspiegel – und in Ausnahmefällen auch Medikamente – können Rhythmusstörungen hervorrufen. In rund zehn Prozent der Fälle gelingt es aber nicht, die Ursachen zu diagnostizieren. In diesen Fällen spricht man dann von idiopathischen Herzrhythmusstörungen.

Was passiert eigentlich genau beim Batteriewechsel?

Viele Patienten haben Angst vor einem Batteriewechsel. Zum Beispiel, weil er mit einer kleinen Operation verbunden ist. Ohne Batterie würde der potenzielle Lebensretter jedoch nicht funktionieren. Alle Defibrillatoren beziehen ihre Energie aus Batterien, die sich im Laufe der Zeit erschöpfen. Wie lange die Batterien halten, ist von mehreren Faktoren anhängig. Einmal kommt es auf das gerät an, außerdem schlagen eventuelle Schockabgaben auf dem Energiekonto zu Buche. Die Lebensdauer von Batterien hängen von der Art der Geräte ab: Bei Einkammer- und Zweikammer-ICDs (VVI / DDD-ICD) beträgt sie etwa acht bis zehn Jahre und bei Dreikammer-ICDs (CRT-ICD) etwa sechs bis acht Jahre. Letztere werden auch zur Behandlung von Herzschwäche (Herzinsuffizienz) eingesetzt.

Bei jeder Nachsorgeuntersuchung wird der Batteriestatus des Defis gemessen und die Kontrollintervalle bei Bedarf verkürzt. Ist ein Batteriewechsel schließlich angezeigt, nehmen die Kardiologen in einer relativ kleinen Operation das Aggregat insgesamt heraus und schließen ein Neues an die im Körper verbleibenden Elektroden an.

Reisen, Sport und heißes Wetter: Wie steht’s damit bei Defi-Patienten?

Thema Reisen: Grundsätzlich gilt, dass Defibrillatoren heute so weit abgeschirmt sind, dass sie auch den Nacktscanner am Flughafen wahrscheinlich schadlos überstehen. Vorausgesetzt, man bleibt nicht stehen. Grundsätzlich rät Dr. Kerckhoff Patienten mit Defibrillatoren jedoch, ihren Status kenntlich zu machen, ihren Ausweis zu zeigen und auf einen anderen Weg ans Gate zu bestehen. Der Grund für diesen rat liegt nicht in der Gefahr, die von einem Nacktscanner ausgeht. Defi-Patienten machen auf diese Weise öffentlich, dass sie an Bord gehen und sorgen damit auch dafür, dass das Bordpersonal über die besonderen Gäste Bescheid weiß.

Thema Sport: Je nach Vorerkrankung können Defi-Patienten dauerhaft Sport treiben – angefangen vom leichten Spazierengehen bis hin zum ambitionierten Fitness-Training. Auf eines sollten aber alle Patienten achten: Sportarten, die die linke Schulter belasten, belasten auch das Defi-Aggregat. Golfen und Tennis sind deshalb zum Beispiel nur mit Bedacht und in Maßen zuträglich. Ansonsten sollte eigentlich jeder Defi-Patient so Sport treiben, dass er seiner Lebenssituation angepasst ist. Ärzte, Fitness-Trainer oder Sporttherapeuten können für das geeignete Training wichtige Hinweise geben. Auch hier gilt wieder, dass Defi-Patienten anderen dabei helfen, im Notfall schneller zu reagieren, wenn sie ihre Situation offen legen.

Thema Witterung: Wenn beim Sport die Menge das Gift macht, so sind es bei der Witterung die Temperaturen. Für Defi-Patienten können sie schon belastend hoch sein, wenn andere Menschen sie noch angenehm empfinden. Hier helfen dunkle Räume, ein nächtliches Durchlüften, ausreichend Getränke und eine dosierte körperliche Betätigung. Auch im Winter empfiehlt er Defi-Patienten, den Schnee auf dem Bürgersteig von jemand anderem räumen zu lassen.