Thema Bluthochdruck: Dr. Armin Schuster, Facharzt für Allgemeinmedizin in Münster, gestaltete den Gesprächskreis der Defi-Liga mit einem Vortrag über die ärztliche Diagnose von Bluthochdruck. Trotz Brückentag waren viele Teilnehmer gekommen – so auch Ulrike Büdenbender, die sich im Namen des Vereins bei Dr. Schuster für sein Engagement bedankte. Foto: © DEFI-LigaDr. Armin Schuster, Facharzt für Allgemeinmedizin in Münster, gestaltete den Gesprächskreis der Defi-Liga mit einem Vortrag über die ärztliche Diagnose von Bluthochdruck. Trotz Brückentag waren viele Teilnehmer gekommen – so auch Ulrike Büdenbender, die sich im Namen des Vereins bei Dr. Schuster für sein Engagement bedankte.Es ist immer wieder dasselbe Ritual: Sobald man eine Arztpraxis betritt, legt einem jemand eine Manschette um den Oberarm, setzt eine Art Stoppuhr an die Ellenbeuge und pumpt die Manschette so voll mit Luft, dass einem ganz eng wird. Dann wird es still und während die Luft aus der Manschette entweicht, läuft auf dem Ziffernblatt ein Zeiger rückwärts, der am Ende zwei Werte ermittelt hat: den „oberen“ und den „unteren“ Blutdruckwert. Um diese beiden Werte und um die hausärztliche Diagnostik bei Bluthochdruck ging es im Gesprächskreis der Defi-Liga am 6. Mai. Als Referent war Dr. Armin Schuster gekommen, der in Münster als Facharzt für Allgemeinmedizin tätig ist. Verständlich und sehr gut nachvollziehbar führte er die 33 Teilnehmer_innen durch den Nachmittag und sprach mit ihnen über den Bluthochdruck – ein Leiden, das laut Studien 30 bis 45 Prozent aller Europäer teilen und dass in höherem Alter nachweisbar häufiger auftritt.

Vorsitzende Angelika Däne bedankte sich bei Dr. Schuster und bei den Gästen für ihr Kommen: „Unser heutiger Gesprächskreis liegt auf einem Brückentag und viele nutzen das lange Wochenende für eine Kurzreise. Deshalb freut es mich besonders, dass für unseren Referenten und dessen Thema so viele Interessierte in die Akademie Franz Hitze Haus gekommen sind.“ – Hier nun ein Rückblick auf die wichtigsten Informationen, die Dr. Armin Schuster mitgebracht hatte.

Was verbirgt sich hinter dem „oberen“ und dem „unteren“ Blutdruckwert?

Unser Blut kann nur durch den Körper fließen, weil unser Herzmuskel sich regelmäßig zusammenzieht und es auf diese Weise pumpt. Weil dieser Pumpvorgang rhythmisch verläuft, fließt auch unser Blut stoßartig: immer, wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht, pumpt sie das Blut in die Hauptschlagader (Aorta). Dadurch steigt der Blutdruck in den Gefäßen kurz an. Der maximale Druck, den man dabei messen kann, ist der „obere“ oder „systolische“ Blutdruckwert.

Damit sich die linke Herzkammer für den nächsten Pumpvorgang erneut mit Blut füllen kann, muss sie sich zuerst entspannen. Dadurch fällt in den Blutgefäßen der Druck bis zum nächsten Pumpstoß langsam ab. Der minimale Druckwert, der dabei gemessen wird, ist der „untere“ oder „diastolische“ Blutdruckwert. Die folgende Tabelle zeigt, bis wann die Blutdruckwerte als normal gelten werden und ab wann sie als Bluthochdruck (Hypertonie in Graden von 1 bis 3) eingestuft werden. 
Quelle: ESC Pocket Guidelines: Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V., Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, Börm Bruckmeier Verlag GmbH, 2013

Praxisblutdruck, Langzeitblutdruck und Häuslicher Blutdruck

Es ist einfach: Der Blutdruck, der in der Arztpraxis gemessen wird heißt Praxisblutdruck. Er gilt als Standardmessung für die Diagnose und die Therapie einer Hypertonie. Bei der Standard-Messung, wie wir sie aus der täglichen Arztpraxis kennen, handelt es sich um eine auskultatorische Messung. Das heißt: Eine Druckmanschette wird auf Herzhöhe am Oberarm eines Patienten angebracht und bis zum erwarteten Höchstdruck aufgeblasen. Entweicht diese Luft wieder aus der Manschette, setzt am Punkt des oberen (systolischen) Druckwerts ein Geräusch ein, das der Arzt über sein Stethoskop wahrnehmen kann. Es heißt nach seinem Entdecker „Korotkow-Geräusch“. Setzt das Geräusch wieder aus, ist der untere (diastolische) Blutdruckwert erreicht. Um eine möglichst genaue Messung zu erzielen, verläuft eine ideale Messung im Sitzen und erst dann, wenn ein Patient mindestens drei bis fünf Minuten vor der Messung zur Ruhe kommen konnte. Dann nimmt der Arzt im Abstand von ein bis zwei  Minuten zwei Mal Messwerte und vergleicht sie miteinander; ergeben sich starke Differenzen, folgt eine weitere Messung. Wichtig ist auch, dass die Messmanschette sich in Herzhöhe des Patienten befindet.

Neben dem Praxisblutdruck hilft es Ärzten, wenn Patienten auch zu anderen Zeiten ihren Blutdruck messen. Dies geht sehr gut mit Messgeräten, die sie unkompliziert zu Hause bedienen können. Auch eine Langzeitmessung ist aufschlussreich. Beide Messverfahren erhöhen für Ärzte die Repräsentativität der Praxiswerte und helfen erwiesenermaßen, kardiovaskuläre Ereignisse besser vorherzusagen.

Wann ist eine praxisunabhängige Blutdruckmessung angezeigt?

Tabelle nach: ESC Pocket Guidelines: Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V., Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, Börm Bruckmeier Verlag GmbH, 2013

Kuriose Phänomene: Weißkittel-Hochdruck und maskierte Hypertonie

Studien haben ergeben, dass die Höhe des Blutdrucks davon abhängt, wer ihn misst. So sind die Werte, die ein Arzt oder eine Ärztin messen, oft höher, als diejenigen, die Patienten zu Hause ermitteln. In solchen Fällen spricht man vom „Weißkittel-Hochdruck“. Er bezieht sich aber tatsächlich nur auf Ärzte und Ärztinnen: denn messen Krankenschwestern oder Pfleger den Blutdruck in der gleichen klinischen Umgebung, fällt er deutlich niedriger aus. Menschen mit Weißkittel-Hochdruck haben in der Regel ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko als Menschen mit Praxishypertonie.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Dann ergeben sich bei der Praxismessung normale Werte, während die Langzeitbeobachtung oder die häuslichen Messungen erhöhte Werte anzeigen. In solchen Fällen spricht man von einer „maskierten Hypertonie“. Forscher beobachten das Phänomen häufig bei bislang unbehandelten Patienten ohne Diagnose. Menschen mit einer maskierten Hypertonie haben ein kardiovaskuläres Risiko wie Menschen mit Praxishypertonie.

Anamnese und Diagnose

Bei allen Patienten mit Hypertonie empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie zunächst eine gründliche Anamnese, die man in vier Kategorien unterteilen kann.

  1. Gibt oder gab es in der Familie Bluthochdruck?
  2. Ist eine bereits vorhandene (primäre) Erkrankung Auslöser für eine sekundäre Hypertonie? Hier kommen beispielsweise chronische Nierenschäden, Drogen- oder Medikamenteneinnahmen, Schweißausbrüche, Muskelschwäche oder Schilddrüsenprobleme in Frage.
  3. Welche Risikofaktoren treffen zu: Gibt es in der Familie zum Beispiel Diabetes? Raucht ein Patient? Wie ist seine Ernährung? Schnarcht er? Betätigt er sich körperlich oder hat er kürzlich sein Gewicht stark verändert?
  4. Zeigen sich Symptome für Vorerkrankungen des Blutgefäßsystems?
  5. Ist ein Patient bislang hinsichtlich des Blutdrucks behandelt worden und wenn ja, wie?

Die körperliche Untersuchung

Nach der Anamnese sollte eine körperliche Untersuchung folgen und den derzeitigen Blutdruck einschätzen sowie eine arterielle Hypertonie diagnostizieren oder bestätigen. Außerdem sollten Ärzte das allgemeine Risiko für das Blutgefäßsystem einschätzen sowie nach sekundären Ursachen für den Bluthochdruck forschen. Die Diagnose der Hypertonie sollte auf mindestens zwei Blutdruckmessungen pro Vorstellung bei mindestens zwei Untersuchungen beruhen.

Welche Laboruntersuchungen gibt es?

Laboruntersuchungen können weitere Hinweise zu den Ursachen oder Auslösern einer Hypertonie geben. Sie sollten aber erst angewendet werden, wenn normale körperliche Untersuchung keine klaren Ergebnisse hatte. Im Labor werden dann zunächst Basisuntersuchungen vorgenommen. Dazu zählen:

  • Hämoglobinwert/ Hämatokritwert
  • Nüchternglukose
  • Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin
  • Nüchterntriglyceride
  • Kalium und Natrium im Blutserum
  • Harnsäure im Blutserum
  • Serumkreatinin mit GFR-Bestimmung (Glomeruläre Filtrationsrate)
  • Urinanalyse
  • 12-Kanal-EKG

Sind diese Werte für eine Diagnose nicht aussagekräftig genug, können weitere Laboruntersuchungen unternommen werden. Dazu gehören unter anderem das Echokardiogramm, das Langzeit-EKG bei Arrhythmien, das Belastungs-EKG oder auch eine Augenhintergrundspiegelung.

Untersuchungsintervalle

Menschen mit hoch-normalem Blutdruck oder Weißkittelhypertonie sollten, auch wenn sie unbehandelt sind, regelmäßig und zumindest jährlich nachuntersucht werden. Patienten mit Hypertonie sollten sich nach Beginn der medikamentösen Therapie alle zwei bis vier Wochen nachuntersuchen lassen. So können die Effekte der Medikamente sowie eventuelle Nebenwirkungen erfasst werden. Ist der gewünschte Blutdruck erreicht, können die Kontrollintervalle einige Monate Abstand haben und müssen auch nicht mehr von den Ärzten selbst durchgeführt werden. Patienten, die stabil eingestellt sind, können ihren Blutdruck auch selbst messen und die Werte übermitteln. Auf ihre Risikofaktoren und mögliche Organschäden sollten sich Patienten wiederum alle zwei Jahre überprüfen lassen.

Was Patienten selbst tun können

Es ist nicht ganz einfach, einen persönlichen Lebensstil zu verändern. Doch Patienten können dadurch ihre  medizinische Therapie unterstützen. Besonders dann, wenn es gilt, dem Bluthochdruck erfolgreich vorzubeugen. Manchmal gelingt es Patienten sogar, eine medikamentöse Therapie zu vermeiden. Schaffen sie es, ihr Verhalten in einigen Bereichen anzupassen, tragen sie außerdem dazu bei, andere Risikofaktoren oder Erkrankungen einzudämmen. Folgende Empfehlungen gelten erwiesenermaßen als hilfreich

  • Essen Sie nicht mehr als 5 – 6 g Kochsalz pro Tag
  • Trinken Sie als Mann nicht mehr als 20 bis 30 g Alkohol am Tag. Zum Vergleich: 0,3 l Bier enthalten 11,5 g Alkohol.
  • Trinken Sie als Frau nicht mehr als 10 bis 20 g Alkohol am Tag. Zum Vergleich: 0,2 l Wein enthalten 17,65 g Alkohol.
  • Essen Sie mehr Gemüse, Früchte und Milchprodukte mit niedrigem Fettgehalt
  • Reduzieren Sie als Mann Ihr Gewicht auf einen Body-Maß-Index von 25kg/m2 und einen Taillenumfang von 102 cm (als Mann) und von 88 cm (als Frau)
  • Machen Sie an 5 bis 7 Tagen ein moderates dynamisches Bewegungstraining von 30 Minuten.
  • Hören Sie mit dem Rauchen auf.

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Thema Bluthochdruck: Dr. Armin Schuster, Facharzt für Allgemeinmedizin in Münster, gestaltete den Gesprächskreis der Defi-Liga mit einem Vortrag über die ärztliche Diagnose von Bluthochdruck. Trotz Brückentag waren viele Teilnehmer gekommen – so auch ... Büdenbender, die sich im Namen des Vereins bei Dr. Schuster für sein Engagement bedankte.