Gibt Halt und Orientierung auf dem letzten Weg: Bestatterin Maria Laubuhr (li.) aus dem Münsterländischen Wettringen. Vorsitzende Angelika Däne dankte sehr für ihre sehr persönlichen Einblicke in einem für Frauen immer noch ungewöhnlichen Beruf. Foto: © Winfried KoßeGibt Halt und Orientierung auf dem letzten Weg: Bestatterin Maria Laubuhr (li.) aus dem Münsterländischen Wettringen. Vorsitzende Angelika Däne dankte sehr für ihre sehr persönlichen Einblicke in einem für Frauen immer noch ungewöhnlichen Beruf.
Foto: © Winfried Koße
Darf eine Trauerfeier fröhlich sein und müssen die Teilnehmer schwarze Kleidung tragen? Kann ich es meiner Tochter zumuten, keinen Trauerort zu haben, weil ich meinen Körper zu wissenschaftliche Zwecken spenden will? Ist für die Trauer der Hinterbliebenen ein bestimmter Ort überhaupt wichtig? Und: müssen Tote geschminkt werden? Zu all diesen Fragen ging es heiß her beim letzten Gesprächskreis zum Thema Tabuthema Sterben. Deutlich wurde dabei, wie individuell die Einstellungen dazu sind und wie wichtig es ist, dass sie das auch bleiben dürfen. Ein Tabuthema – das kann man wohl nach dem zweistündigen intensiven Austausch sagen – war das Sterben bei den rund 30 Teilnehmer_innen jedenfalls nicht. Ohne Angst und erstaunlich offen erzählten sie von ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen für ihr Lebensende. Maria Laubuhr aus Wettringen wiederum berichtete von ihrem Beruf als Bestatterin und steuerte viele Erfahrungen aus ihrer Arbeit als „Kümmerin am Lebensende“ bei. Außerdem gab sie hilfreiche Hinweise dazu, was im Falle eines Sterbefalls wichtig ist. Vor allem aber ließ sie keinen Zweifel daran, das sie ihren für Frauen eher ungewöhnlichen Beruf auch nach Jahren immer noch liebt.

Viele Jahrhunderte starben die Menschen zu Hause. Sie wurden aufgebahrt und der Tod war ein gemeinschaftliches Ereignis. Laut Umfragen wollen die meisten Menschen immer noch am liebsten zu Hause sterben – im Kreis ihrer Verwandten oder Freunde. Doch die Wirklichkeit zeigt das Gegenteil: Drei von vier Menschen sterben in Deutschland in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Auch, weil sie immer seltener Kinder oder andere direkte Verwandte haben, die sie zu Hause pflegen könnten bis zum Tod. Und die häusliche Aufbahrung als kulturell-religiöses Ritual ist aus unserem Alltag beinahe ganz verschwunden. Um die Familien zu entlasten und dem Tod die nötige Würde zu verleihen, kümmert Maria Laubuhr sich als Bestatterin nicht nur um die Formalitäten. Indem sie die Verstorbenen schön herrichtet, hilft sie den Angehörigen auch, die nötige Nähe zuzulassen, die zum Verabschieden und Loslassen dazugehört. Damit sie mit dem Lebensende eines anderen so umgehen können, wie sie es sich für sich selbst auch wünschen.

Wann dürfen, wann müssen Verstorbene zu Hause abgeholt werden?

Wenn Menschen zu Hause sterben, dürfen sie dort bleiben, damit Verwandte und Freunde Abschied nehmen können. Und auch aus dem Krankenhaus darf man sie nach Hause holen. Die Vorstellung, mit einem Verstorbenen in einem Haus zu sein, löst indes unterschiedliche Gefühle aus: für die Einen ist sie tröstlich, weil ihnen Zeit bleibt, sich in Ruhe zu verabschieden. Anderen macht die Gegenwart eines Toten eher Angst. Angehörige können deshalb frei entscheiden, ob der Bestatter einen Verstorbenen zu Hause aufbahrt oder ins Bestattungsinstitut holt. Trotzdem bleibt ein Mensch, der zu Hause verstirbt, erst einmal für eine Zeit dort. Denn Bestatter dürfen einen Leichnam erst dann abholen, wenn der Arzt einen Totenschein ausgestellt hat. Bis die dazu erforderlichen eindeutigen Todeszeichen nachweisbar sind, vergehen mehrere Stunden. Niemand muss jedoch fürchten, dass Verstorbene sich während dieser Zeit körperlich verändern. Im Gegenteil: die meisten Toten sehen ruhig und friedlich aus. Und es tut auch niemand etwas Verbotenes, wenn er einen Verstorbenen länger zu Hause behalten will. In Nordrhein-Westfalen ist es bis zu 36 Stunden lang gestattet, Verstorbenen im Bett oder im Sarg - offen oder geschlossen – zu Hause zu lassen. Die Vorbereitung für eine solche Aufbahrung übernehmen zum Beispiel Mitarbeiter_innen von Pflegediensten oder Bestatter wie Maria Laubuhr. Sie waschen, kämmen und rasieren die Verstorbenen, kleiden sie an und legen auch schon mal ein wenig Rouge auf. Auf Wunsch können die Angehörigen sich aktiv daran beteiligen.

Begreifen, was passiert ist

Waldweg. Foto von pixabye.comMehr noch als der Anblick eines Toten ist wohl der unmittelbare körperliche Umgang mit ihm für die meisten Menschen ungewohnt. Maria Laubuhr beobachtet das manchmal, wenn sie die Verstorbenen herrichtet. Indem die Angehörigen die Verstorbenen anfassen, können sie förmlich begreifen, was geschehen ist. Dabei entstehen Momente großer Vertrautheit, die plötzlich gar nicht mehr beängstigend oder unerträglich sind. Auch nicht für Kinder. Für diese ist es besonders wichtig, zu verstehen, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. Wenn sie aktiv am Abschied nehmen beteiligt sind, können sie das gut begreifen. Maria Laubuhr empfindet das Ankleiden und Herrichten eines Verstorbenen jedenfalls als würdevollen und ehrenvollen Dienst. Sie macht die Erfahrung, dass der Tod einen Teil seines Schreckens verlieren kann, wenn Angehörige und Freunde unmittelbar neben einem offenen Sarg über den Verstorbenen sprechen können.

Veränderte Bestattungskultur

Nicht nur die Aufbahrung ist ein Ritual, das in unserer Gesellschaft seltener wird – selbst wenn es heute auf den Friedhöfen pietätvoll eingerichtete Abschiedsräume gibt. Es lohnt sich, Maria Laubuhr nach Friedhöfen mit solchen Abschiedsräumen zu fragen. Denn eine Aufbahrung muss nicht zwingend zu Hause passieren oder dort, wo die Beerdigung stattfindet. Die Bestattungskultur hat sich aber auch in anderer Hinsicht gewandelt: Viele Menschen lassen sich heute einäschern und werden in Urnen beigesetzt. Für diese braucht man nicht zwingend ein Wahlgrab oder ein Reihengrab. Urnen können auch in Kolumbarien, auf Wiesenflächen oder in Friedwäldern in die Erde gelassen werden – sogar anonym. Die Kosten für eine anonyme Urnenbestattung sind allerdings identisch mit denen einer „normalen“ Urnenbeisetzung. Was aber normal und was gewöhnungsbedürftig ist – das zeigte auch das Gespräch – dazu gibt es so viele Meinungen, wie es Empfindungen zum Tod gibt. Am Ende zählt: Jeder Mensch kann selbst darüber entscheiden, wie und wo er bestattet werden möchte.

Bestattungsarten

Da kommunale Friedhöfe nicht konfessionsgebunden sind, kann dort auch die Zeremonie anders sein, als die auf einem kirchlichen Friedhof. Größere städtische Friedhöfe halten außerdem auch häufig Grabstätten vor, auf denen Verstorbene nach jüdischem oder muslimischem Ritus beigesetzt werden können. Die Erdbestattung ist derzeit die am weitesten verbreitete Form der Bestattung. Hierzu zählt auch die Feuerbestattung, bei der der Körper der Verstorbenen zuerst eingeäschert und anschließend in einem Urnengrab beigesetzt wird. Beide Bestattungsarten dürfen in Deutschland nur auf Friedhöfen stattfinden. Eine Variante ist die Seebestattung, bei der die Urne nicht der Erde, sondern dem Meer übergeben wird. Möchte man eingeäschert oder auf See bestattet werden, sollte man dies rechtzeitig schriftlich festlegen oder Verwandte bestimmen, denen man diese Festlegung überlässt. Bei einer Erdbestattung stehen folgende Gräber zur Wahl:

Wahlgrab

Bei einem Wahlgrab kann man bereits zu Lebzeiten den Friedhof und die Grabstelle aussuchen. Man kauft das Nutzungsrecht für diese Grabstelle für eine bestimmte Zeit und kann es immer wieder verlängern. In ein Wahlgrab können Särge oder Urnen eingelassen werden.

Reihengrab

Reihengräber werden von der Friedhofsverwaltung chronologisch belegt. Diese Grabstellen sind – anders als die Wahlgräber – immer nur für eine Person gedacht. Auch in ein Reihengrab können Särge oder Uren eingelassen werden.

Rasengrab

Ein Rasengrab hat keine bepflanzbare Beetfläche wie ein Wahlgrab oder ein Reihengrab. Es befindet sich in eine Rasenfläche, in die in der Regel eine Gedenkplatte eingebettet wird.

Urnenwände

Viele Friedhöfe haben auch Urnenwände – sogenannte Kolumbarien. Dort wird die Urne nach der Einäscherung in ein Wandfach eingelassen, das anschließend verschlossen wird.

Welche Formalitäten sind für eine Bestattung wichtig?

Stirbt ein Mensch, müssen viele Unterlagen beigebracht sowie die Beerdingung und Trauerfeier organisiert werden. Bestatter kümmern sich im Auftrag und auf Wunsch der Angehörigen um viele dieser Erledigungen und Formalitäten. Sie versorgen die Verstorbenen hygienisch und kleiden sie an, haben ein Repertoire an Särgen und Urnen zur Auswahl, organisieren die Formalitäten der Bestattung, beauftragen die Trauerdrucksachen, die Traueranzeigen und den Blumenschmuck, stehen beratend zur Verfügung und organisieren auch Überführungen ins Ausland.

Zur Vorbereitung einer Beisetzung müssen Angehörige folgende Dokumente beibringen:

  • Personalausweis des Verstorbenen
  • Todesbescheinigung (vom Arzt) bzw. Leichenschauschein
  • bei Ledigen: Geburtsurkunde
  • bei Verheirateten: Auszug aus dem Familienbuch. Fehlt der Auszug aus dem Familienbuch, ist die Heiratsurkunde vorzulegen
  • bei Geschiedenen: Rechtskräftiges Scheidungsurteil und Heiratsurkunde oder Auszug aus dem Familienbuch
  • bei Verwitweten: Auszug aus dem Familienbuch mit Sterbeeintrag des Ehepartners oder Heiratsurkunde und Sterbeurkunde des Ehepartners

Einen interessanten Artikel mit dem Thema „Tod – was jetzt“ vom 31. August 2016 finden Sie auch auf der Homepage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

 

Text: Birgit Schlepütz