Dr. Gottschalk erhält von Angelika Däne einen großen Strauß und ein großes Dankeschön für ihren Vortrag. Foto: © Georg DuchnaDr. Gottschalk erhält von Angelika Däne einen großen Strauß und ein großes Dankeschön für ihren Vortrag.
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Viele Menschen haben Angst vor einer Vollnarkose. Nicht, weil sie Narkosemitteln oder Ärzten misstrauen, sondern weil sie damit Gefühle von Ausgeliefert-Sein und Kontrollverlust verbinden. Dr. med. Antje Gottschalk war deshalb in den September-Gesprächskreis gekommen, um davon zu erzählen, was während einer Vollnarkose so alles „passiert“, damit nichts passiert. Dies alles in einer sehr vertrauensvollen und beruhigenden Atmosphäre, in der ihr die 35 Teilnehmenden gespannt zuhörten. Zwei Stunden berichtete die Oberärztin und stellvertretende Leiterin der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie im Universitätsklinikum Münster (UKM) im Detail über alle Phasen der Narkose – und über die Checks und Gegen-Checks im Operationssaal, auf die Patienten während einer Vollnarkose vertrauen können. Vorsitzende Angelika Däne sagte über den Nachmittag: „Mich hat es sehr berührt, was alles für uns geschieht, während wir schlafen.“

Als Fachärztin für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Palliativmedizin hat Dr. Antje Gottschalk wahrscheinlich schon tausende Narkosen gesetzt und Operationen begleitet. Bei aller Routine bleiben Narkosen trotzdem individuell. Jeder Patient ist anders und hat seine eigene Vor- und Krankengeschichte. Deshalb ist auch das Vorgespräch vor jeder Narkose wichtig. Es ist ein gegenseitiges Kennen-Lernen, das viele Chancen birgt: Anästhesisten begegnen ihren Patienten nicht selten erstmals persönlich und erfahren unter anderem, welche Medikamente sie nehmen oder ob sie unter Allergien und Unverträglichkeiten leiden. Damit schon an dieser Stelle die Weichen für eine sichere Operation richtig gestellt werden, sollten Patienten hier aktiv mitarbeiten. Zum Beispiel, indem sie auch unaufgefordert über Allergien und Unverträglichkeit sprechen. Was vielen nicht bekannt war: auch eine Alergie oder Unverträglichkeit gegenüber Latex gehört in das Vorgespräch mit dem Anästhesisten.

Ziel der Narkose ist, dass Patienten während einer Operation Körper und Muskeln entspannen und vor allem keine Schmerzen empfinden. Die Narkose versetzt sie deshalb mit einem Schlafmittel (Hypnotikum) einem Mittel zur Muskelerschlaffung (Muskelrelaxant) und mit einem Mittel gegen die Schmerzen (Analgetikum) in einen Schlaf ähnlichen Zustand. Weil durch die Narkose aber auch die Atmung schwächer wird, ist es normal, dass Patienten unter Narkose künstlich beatmet werden. Die richtige Dosis der Medikation berechnen Anästhesisten aufgrund des Alters und des Gewichts der Patienten. Narkosemittel können heute sehr genau dosiert werden. Ihre Wirkung setzt im Idealfall kurz vor der Operation ein und endet kurz danach. Als Back-Up werden die Patienten während des gesamten Zeitraums engmaschig kontrolliert. Die Techniken und Abläufe sowie die hohen Sicherheitsstandards, die Anästhesisten währen ihrer langen Ausbildungsphase erlernen, stammen zum Teil aus der Raumfahrt. Bevor aber ein Patient tatsächlich „unters Messer kommt“, wird er so lange gefragt, wer er ist, bis klar ist, dass die Narkose ihre Wirkung vollends entfaltet hat. Meist ist das schon nach wenigen Sekunden der Fall. Auch in der anschließenden Aufwachphase gibt es erprobte Rituale zur Sicherheit der Patienten.

Schließlich berichtete Dr. Gottschalk über hohe Sicherheit, mit der Narkosen heute durchgeführt werden können. Ursächlich dafür ist, dass sowohl die Dauer als auch die Tiefe einer Narkose viel präziser zu steuern sind. Außerdem werden alle Vitalfunktionen des Patienten während einer Operation konsequent technisch überwacht und liefern den beiden Anästhesisten, die grundsätzlich bei jeder Operation anwesend sind, immer aktuelle Zustandswerte.

 

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Text: Birgit Schlepütz