Arbeitskreis mit Dr. Birgitta Jacobs, Münster

»Essen Sie wie im Urlaub«

Dr. Brigitta JacobsDr. Brigitta JacobsFür Defi-Träger_innen spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle. Dazu gehört auch das Ernährungsverhalten. Einige Lebensmittel sind besser, einige schlechter und manche auch gar nicht geeignet, das Herz zu schonen. In einem der Arbeitskreise, der bis auf den letzten Platz ausgebucht war, erläuterte die Münsteraner Ökotrophologin Dr. Birgitta Jacobs, wie Patienten mit Herzleiden ihre Ernährung so umstellen können, dass sie dem Herzen nicht schadet und gleichzeitig auch noch schmeckt. Auf den Punkt gebracht, lautete ihre Devise für eine herzgesunde Ernährung: »Kochen Sie wie unsere mediterranen Nachbarn.« Oder verheißungsvoller formuliert: »Essen Sie wie im Urlaub.«

Die Speisekarte der Südeuropäer

In punkto Essen können wir uns vor allem die Bewohner des Mittelmeerraums zum Vorbild nehmen. Die Erforschung der Lebensgewohnheiten dieser Menschen zeigte klar, dass ihre Ernährung entscheidend dazu beiträgt, dass sie seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, als Nordeuropäer_innen. Zahlreiche Studien haben diese These mittlerweile bestätigt. Spitzenreiter in der herzgesunden Ernährung sind übrigens die Bewohner der griechischen Insel Kreta. Vorteilhaft an der Mittelmeerküche ist neben ihren ernährungsphysiologischen Eigenschaften, dass sie sich für die ganze Familie eignet und außerdem hilft, das Gewicht in einer guten Balance zu halten oder sogar zu reduzieren. Grund dafür ist der hohe Anteil pflanzlicher Nahrungsmittel. Man kann also viel essen, ohne dabei viele Kalorien aufzunehmen. Die Ballaststoffe, die diese Nahrungsmittel wiederum enthalten, sorgen für eine gute Verdauung. Unsere Nachbarn im Süden verwenden in ihren Speisen wenig Salz und Zucker und essen außerdem wenig gesättigte Fette – das ist gut für’s Herz, da es sich sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirkt. Zudem enthält sie viele sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine Schutzwirkung gegen verschiedene Krebsarten sowie der koronaren Herzkrankheit zugeschrieben werden.

Und was essen unsere Nachbarn?

Im Einzelnen essen Menschen in mediterranen Lebensräumen pflanzliche Lebensmittel in Hülle und Fülle. Gemüse, Obst, Vollkornbrot, Nudeln, Hülsenfrüchte und Nüsse bilden einen wesentlichen Teil ihrer Nahrung. Entscheidend für den Cholesterinspiegel ist, dass sie Olivenöl als Hauptfettquelle verwenden. Auch bei uns lässt es sich nicht nur für Salatsaucen verwenden, sondern eignet sich auch hervorragend zum Dünsten von Gemüse, Fisch oder Fleisch und zum Braten. Wer Olivenöl nicht mag, oder dazu eine Alternative sucht, kann auch Rapsöl verwenden. Mehrmals pro Woche gibt es Fisch und Geflügel in mäßigen Mengen, selten dagegen Fleisch. Auch Joghurt und Käse verzehren sie eher in geringen Mengen. In Maßen trinken unsere südländischen Nachbarn auch Wein – meistens verbunden mit einer Mahlzeit. Am Ende des Arbeitskreises war zu spüren: Eine Ernährung, die so abwechslungsreich und schmackhaft sein kann, klingt nicht nach fader Schonkost, sondern eher danach, ganzjährig ein bisschen Süden in den hohen Norden zu retten.

Von gutem und schlechtem Cholesterin

Eine gesunde Ernährung kann keine genetischen Dispositionen beeinflussen. Doch sie kann vorbeugen. Seit langem weiß die Forschung, dass unser Essen einen großen Einfluss auf unseren Fettstoffwechsel hat. Ob dieser gut funktioniert, erkennen wir zum Beispiel an den Cholesterin-Werten. Hier gibt es gutes und schlechtes Cholesterin (LDL-Cholesterin). Essen wir zu viele Lebensmittel mit schlechtem LDL-Cholesterin, kann es sich in den Adern ablagern und die Blutwege verengen. Indem wir zum Beispiel auf solche Lebensmittel verzichten oder ihren Konsum einschränken, verringern wir das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Um mehr über empfehlenswerte, in Maßen empfehlenswerte und nicht zu vermeidende Lebensmittel zu erfahren, hatte Frau Dr. Jacobs eine umfangreiche Liste mitgebracht, die sie mit den Teilnehmer_innen im Rahmen des Arbeitskreises besprach.

Empfehlenswerte Lebensmittel ...

... sind Produkte, die Sie täglich essen können und sollten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie fett- und cholesterinarm sind und außerdem viele Ballaststoffe haben. Allerdings gilt auch: die Fette und Öle haben zwar eine günstige Fettsäurezusammensetzung. Dennoch sollen Sie auch diese Fette sparsam benutzen.

In Maßen geeignete Lebensmittel ...

... sind Produkte, die Sie nicht täglich in größeren Mengen verzehren sollten, auf dem Speiseplan aber ab und zu für Abwechslung sorgen.

Nicht geeignete Lebensmittel ...

... sind Produkte die viele gesättigte Fettsäuren und/oder Cholesterin haben und wenig Ballastastoffe. Auf diese Lebensmittel sollten Sie bei der herzgesunden Ernährung verzichten.

 Laden Sie sich die Liste der Lebensmittelempfehlungen und -einteilungen als PDF-Datei herunter.

Text © Birgit Schlepütz
Foto © Defi-Liga e.V.