Helmut Kühlert ist Defi-Träger und weiß aus eigener Erfahrung, unter welchen Sorgen Angehörige leiden. Helmut Kühlert ist Defi-Träger und weiß aus eigener Erfahrung, unter welchen Sorgen Angehörige leiden. Herr Kühlert, Defi-Träger sein ist die eine Seite der Medaille, Angehörige oder Angehöriger eines Defi-Trägers zu sein, die andere. Ihr Arbeitskreis beschäftigte sich mit dem Thema. Was hat die Teilnehmer bewegt?

Die Situation der Angehörigen ist ganz ähnlich der Situation der eigentlichen Patienten. Hauptthema ist grundsätzlich Angst. Angehörige haben dabei oft den Fall der Reanimation erlebt – das heißt, sie haben gesehen, wie ihr Partner, ihr Ehemann, ihre Ehefrau ohnmächtig geworden ist und einen Plötzlichen Herztod erlitten hat – und das hinterlässt ganz, ganz große Spuren. Der Patient selbst, der weiß meist von nichts. Der ist raus aus der Nummer. Der erfährt das erst später, meist Wochen später und verarbeitet des erst dann. Die Angehörigen sind dann oft alleine.

In der Defi-Liga versuchen wir, auch die Angehörigen anzusprechen und weisen die Patienten auch immer darauf hin: Bringt sie mit, damit wir uns auch mit ihnen unterhalten können. Über ihre Ängste, über ihre Sorgen. Und im Schnitt wird das auch gut angenommen.

Können Sie konkret benennen, wovor Angehörige konkret Angst haben?

Ich bin selbst Betroffener. Bei mir war es die Ehefrau. Und ich weiß selbst, wie lange meine Frau gebraucht hat, mit der Situation klar zu kommen. Sie hat letztendlich nach einem Jahr eine Reha gebraucht. Eine typische Situation ist zum Beispiel, wenn ich vor dem Fernseher einschlafe. Dann kommt sie und  fragt: »Bist Du noch da?« Die Angst sitzt tief. Das Erlebnis der Reanimation sitzt bei allen tief. Das kann beim Autofahren sein: »Wie geht’s Dir?« Das können Urlaubsreisen sein: »Darf mein Partner mit in die Höhe, wenn er einen Defi trägt?« Da sind ständig Fragen. Das kann sein, dass die Frau im Bett aufwacht und noch mal eben am Partner rüttelt. So war’s bei mir und so ist es bei vielen anderen auch.

Grundtenor ist Angst. Angst und wenig Informationen. Das versuchen wir, hier aufzufangen und das wird gerne angenommen.

Gibt es von Seiten der Kliniken auch Angebote für Angehörige?

Da würde ich eher sagen, wenig. Mir ist auch so gut wie nichts bekannt. Die Patienten werden schon sehr viel alleine gelassen; das ist nur ein bedingter Vorwurf an die implantierenden Kliniken und Krankenhäuser, etwas mehr auf die Patienten einzugehen. Die Angehörigen stehen aber immer außen vor. Mit denen spricht keiner. Oft ist es auch so, dass zu Hause nicht darüber gesprochen wird. Ich tue das auch nicht. Bei meinen Geschwistern, meiner Frau oder meiner Familie kann ich doch nicht jedes Wochenende ankommen und sagen: »Mir geht’s so schlecht«.  Das tut man nicht und das will man auch gar nicht. So ist das eben kaum Thema. Deshalb ist die Defi-Liga ein guter Ansprechpartner, eine gute Möglichkeit.