Medikamente, Verfahren und Alltags-Tipps für die Begleittherapie bei ICD Patienten

Kardiologin Dr. Kristina Wasmer sprach in ihrem Eröffnungsvortrag über die Begleittherapie bei ICD Patienten und über einen Lebensstil, der die Gesundheit fördern hilftKardiologin Dr. Kristina Wasmer sprach in ihrem Eröffnungsvortrag über die Begleittherapie bei ICD Patienten und über einen Lebensstil, der die Gesundheit fördern hilftMedikamente, Verfahren und Alltags-Tipps für die Begleittherapie bei ICD PatientenMedikamente, Verfahren und Alltags-Tipps für die Begleittherapie bei ICD PatientenEin Herzinfarkt, ein auffälliges EKG oder plötzliche Ohnmachten. Eine Herzschwäche ohne Infarkt, dicke Herzwände oder ein plötzlicher Herztod in der nahen Familie: Es gibt viele Gründe, warum Menschen ein ICD tragen. Und es gibt ICD-Patienten, die außer für ihre Herzerkrankung weitere Medikamente nehmen müssen. Folglich braucht auch jeder ICD-Patient eine persönliche Begleittherapie. Dr. Kristina Wasmer, Kardiologin am Universitätsklinikum Münster (UKM), erläuterte in ihrem Vortrag gängige Medikamente und Verfahren, die herzkranke Menschen durchs Leben begleiten – und sie gab Hinweise dazu, wie Patienten ihre Situation durch ihr eigenes Verhalten verbessern können.

1. »Medikamente sind Ihre Verbündete.«

Frau Dr. Wasmer, die zunächst die Bedeutung der Defi-Tagung als wichtiges Forum zum gegenseitigen Austausch hervorhob, ist Oberärztin in der Abteilung für Rhythmologie im UKM. Viele ihrer Patienten sind aufgrund ihrer Erkrankung auch nach der Implantation eines ICD auf Medikamente angewiesen: Effektiv seien diese vor allem dann, wenn der Patient optimal auf sie eingestellt sei. Gebe es einmal Zweifel hinsichtlich der Wirkung oder treten sogar Nebenwirkungen auf, sei es für die Patienten immer angezeigt, ihren behandelnden Arzt zu konsultieren, anstatt Medikamente nach eigenem Ermessen abzusetzen. »Medikamente sind Ihre Verbündete.« appellierte die Kardiologin an ihre Zuhörer im Plenum und führte im Anschluss mehrere klassische Medikamentengruppen auf, die typisch sind für die Begleittherapie bei ICD Trägern. Ziel aller Therapien sei es einerseits, die Belastung des Herzens zu vermindern und andererseits, das Herz vor Stress zu schützen.

Betablocker

Im Mittelpunkt der Therapien steht heute der Schutz vor einer chronischen Überstimulation durch
Stresshormone sowie die Entlastung des Herzens durch Blutdruck- und Blutvolumensenkung.
Zu den häufigsten Medikamenten, die eingesetzt werden, zählen die Betablocker – Arzneistoffe, die im Körper die Wirkung des sogenannten Stresshormons Adrenalin sowie des Neurotransmitters Noradrenalin hemmen. Sie reduzieren die Ruhefrequenz des Herzens und senken den Blutdruck.

ACE-Hemmer

Ist der Blutdruck eines Patienten zu hoch, finden auch ACE-Hemmer Anwendung. Hinter der Abkürzung ACE verbirgt sich das Angiotensin Converting Enzyme – ein Enzym, das für die Regulierung des Blutdrucks mitverantwortlich ist. Werden ACE-Hemmer zur Therapie von Bluthochdruck eingesetzt, gelten sie als Mittel der ersten Wahl. Zum Teil werden sie mit anderen Blutdruck senkenden Mitteln kombiniert. Auch bei der Herzinsuffizienz - einer Pumpschwäche des Herzens, die dazu führt, dass der Organismus nicht ausreichend mit Blut versorgt wird – werden ACE-Hemmer eingesetzt.

Aldosteron-Antagonisten

Aldosteron ist das wichtigste im Körper gebildete Mineralkortikoid. Es fördert die Wassereinlagerung und wird über einen Rezeptor vermittelt, der bei Patienten mit Herzmuskelschwäche in der Regel stark aktiviert ist. Medikamente – sogenannte Aldosteron-Antagonisten – können dieser Fehlsteuerung entgegenwirken und sind daher mittlerweile fester Bestandteil vieler Therapien.

Diuretika

Neigen Patienten zu Wassereinlagerungen, werden sogenannte Diuretika gegeben. Sie fördern das Ausscheiden von Wasser über die Nieren. Dadurch entlasten sie das Herz und führen zusätzlich zu einer Entspannung der Blutgefäße – was wiederum zur Folge hat, dass auch der Blutdruck sinkt. Da Diuretika mit dem Wasser unter anderem auch Kalium abführen, müssen Patienten unbedingt ihren Kaliumspiegel regelmäßig kontrollieren lassen. Denn: ist er zu hoch, kann dies gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. ACE-Hemmer und Aldosteron-Antagonisten wiederum wirken der Senkung des Kaliumspiegels entgegen.

Medikamente bei Herzrhythmusstörungen

Bei der medikamentösen Behandlung von Herzrhythmusstörungen seien vor allem Vorsicht, Geduld und eine engmaschige Kontrolle wichtig: Denn die Medikamente wirken von Patient zu Patient unterschiedlich und müssen sehr individuell angepasst werden. Und auch nach einer sorgsamen Einstellung ist die regelmäßige Kontrolle durch den Arzt nötig und wichtig. Lebensbedrohliche Rhythmusstörungen oder einen Plötzlichen Herztod können Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen nicht verhindern.

2. Katheterablation – ein anerkanntes Verfahren

Treten Herzrhythmusstörungen so häufig auf, dass eine dauerhafte Therapie mit Medikamenten angezeigt wäre, so sei die Katheterablation sinnvoll. Am Universitätsklinikum Münster (UKM) führen Dr. Kristina Wasmer und ihre Kolleg_innen dieses Verfahren durch. Herzzellen werden dabei gezielt durch Hochfrequenzstrom oder Kälte so verödet, dass Rhythmusstörungen nicht mehr entstehen können. Die Katheterablation gilt mittlerweile als Therapie der ersten Wahl. Im UKM wurde sie Mitte der 1980er Jahre weltweit erstmals in der Arbeitsgruppe um den emeritierten Professor Dr. med. Dr. h.c. Günter Breithardt durchgeführt.

3. Verbesserung des Lebensstils

Was allen Patienten gleichermaßen helfen könne, so Frau Dr. Wasmer, sei die Verbesserung ihres Lebensstils. Dazu könnten sie selbst einiges beitragen. So verringern Patienten, die aufhören zu rauchen, ihre Sterblichkeit um durchschnittlich 36 Prozent. Auch wer bis zu seinem Normalgewicht hin abnimmt, hilft seinem Herzen, die Pumpleistung zu verringern. Dies gelingt besonders nachhaltig, wenn man sich gesund ernährt und sportlich aktiv wird. Drei Mal pro Woche eine halbe Stunde Sport kann das Wohlergehen der Patienten merklich befördern. Wer unsicher ist, was und wie viel Sport zumutbar ist, ist gut beraten, sein sportliches Leistungsvermögen mit seinem Arzt zu besprechen. Dieser wiederum sei auch Ansprechpartner für die jährliche Grippeimpfung, die Frau Dr. Wasmer den Zuhörern aufgrund ihres erhöhten Infektionsrisikos empfahl. Und last but not least, so die Kardiologin, beeinflussten auch psychosoziale Faktoren das Wohlbefinden der Patienten. Wer Stress vermeidet, mit Ängsten oder auch Depressionen aktiv umgeht, kann diese Faktoren günstig beeinflussen. Helfen und unterstützen können dabei nicht nur Ärzte und Psychologen, sondern auch die Familie und gute Freunde.

 

Text © Birgit Schlepütz
Foto © Defi-Liga e.V.