Hauptvortrag 1:
Interaktion, Medikation und Defibrillator: Was ich als ICD-Träger wissen sollte

von Privatdozent Dr. Gerold Mönnig, Kardiologe am UKM

Wofür werden Medikamente eingesetzt und welche Nebenwirkungen haben sie? Viele Patienten sind darüber nicht richtig im Bilde –  aus Mangel an Aufklärung. Im medizinischen Alltag findet auch Dr. Gerold Mönnig nicht immer ausreichend Zeit für intensive Beratungsgespräche mit seinen Patienten. Mit seinem Vortrag wollte er den Tagungsgästen die Grundlagen der Rhythmusstörungen sowie deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten näherbringen und die Funktionsweise des Defibrillators erläutern.

Nicht jeder schnelle Herzschlag bedeute Gefahr, erklärt Dr. Gerold Mönnig dem Auditorium. Einen Defi bekomme man meist aufgrund von Rhythmusstörungen, die aus der Herzkammer kommen.

Dr. Mönnig erklärt, welche Formen von Rhythmusstörungen es gibt…

Dr. Mönnig erklärt, welche Formen von Rhythmusstörungen es gibt…

Teilweise kann der Defi einen schnellen Puls und gefährliche Rhythmusstörungen nicht auseinander halten, dann kommt es zu inadäquaten Schocks. Ein Schock ist für viele Patienten sehr belastend. Damit der Defi nur bei gefährlichen Rhythmusstörungen therapiert, werden Beta-Blocker eingesetzt. Sie helfen unnötige Schockabgaben zu verhindern, indem sie den regulären Puls drosseln. Dann nimmt der Defi den Kammerpuls nicht mehr als zu schnell wahr.

Doch die Medikamentisierung hat ihren Preis. Viele Patienten fühlen sich durch den sehr niedrigen Blutdruck im Alltag extrem eingeschränkt. Trockene Haut, Depressionen, Mundtrockenheit und Potenzstörungen können außerdem bei einer Beta-Blocker Therapie auftreten.

…und wo die Gefahren liegen

…und wo die Gefahren liegen

Manchmal könne aber auch eine Neuprogrammierung des Defis, die Medikamente ersetzen, sagt Dr. Mönnig. Das Ziel ist dabei, den Defi so einzustellen, dass der Defi Rhythmusstörungen erkennt, aber der normale Puls nicht zu einer Fehlabgabe von Schocks führt. Bei langsamen Kammerherzrhythmusstörungen sei das schwierig, sagt Dr. Mönnig. Die Therapieschwellen müssen bei diesen Rhythmusstörungen sehr niedrig programmiert werden, weil schon ein Puls von 160 gefährliche Herzkammerrhythmusstörungen bedeuten kann – ein Puls, der schon nach kleineren Anstrengungen erreicht wird. In solchen Fällen gehe kein Weg an den beta-Blockern vorbei, sagt Dr. Mönnig.

Doch auch eine gesunde Lebensweise mit Bewegung, gesunder Ernährung und wenig Stress könne  helfen, die Medikamentenmenge zu reduzieren.

Interview mit Dr. Mönnig:
Im Kampf gegen die Rhythmusstörungen: Inadäquate Schocks, Medikamente und Nebenwirkungen
(MP3-Audiodatei)

Dr. Gerold Mönnig mit Angelika Däne

Dr. Gerold Mönnig mit Angelika Däne

Hauptvortrag 2
Betreuungsverfügung, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Ulrich Schmitz Hövener Rechtsanwalt und Notar, Münster

Wie regel ich, was mit mir passiert, wenn ich unheilbar krank bin? Manche wollen am Leben erhalten werden, durch künstliche Beatmung oder Ernährung. Andere ziehen einen schnellen Tod vor und fürchten hilflos an Geräten angeschlossen zu sein.

Mit einer einfachen mündlichen Vereinbarung sei es nicht getan, sagte Rechtsanwalt und Notar Ulrich Schmitz-Hövener bei seinem Vortrag. Er erklärte, dass jeder Mensch, ob Defi-Träger oder nicht, klären sollte, was mit ihm passiert, wenn er nicht mehr selbst entscheiden kann.

Ulrich Schmitz-Hövener empfiehlt notariell beglaubigte Verfügungen

Ulrich Schmitz-Hövener empfiehlt notariell beglaubigte Verfügungen

Schmitz-Hövener rät dazu in einer notariell beglaubigten Patientenverfügung festzuhalten, welche Maßnahmen im Sterbeprozess angewendet dürfen und welche unterlassen werden sollen. Damit der eigene Wille aber auch durchgesetzt werden kann, wenn der Patient nicht mehr ansprechbar ist, bedarf es einer Vorsorgevollmacht. Dabei kann der Patient einem Vertrauten die Vollmacht zur Umsetzung der Patientenverfügung geben. Patienten, die an der Vertrauenswürdigkeit ihrer Angehörigen zweifeln, rät Schmitz-Hövener zu einer Betreuungsverfügung. Dabei wird vom Betreuungsgericht ein unabhängiger Betreuer bestellt, der den Willen der Patientenverfügung umsetzt.

Kein einfaches Thema: Viele Teilnehmer stellten Fragen zur Patientenverfügung

Kein einfaches Thema: Viele Teilnehmer stellten Fragen zur Patientenverfügung

Im Gespräch mit Ulrich Schmitz-Hövener:
Was man wissen sollte: Begriffsklärung, häufige Fehler und ein Präzedenzfall
(MP3-Audiodatei)

Ulrich Schmitz-Hövener mit Andreas Belz

Ulrich Schmitz-Hövener mit Andreas Belz

Hauptvortrag

Hauptvortrag

Hauptvortrag 

Texte, Fotos und Hörbeitrage von Lena Gilhaus