In insgesamt acht Arbeitsgruppen konnten die Teilnehmer in Spezialthemen einsteigen.

 

 

Die Arbeitsgruppen am Samstag

Die Referenten stellen die Arbeitsgruppen vor

Referenten-Arbeitsgruppen

 

Von Wahrheiten und Irrtümern in der herzgesunden Ernährung
Dr. Brigitta Jacobs

Dr. Jacobs
Dr. Brigitta Jacobs. Foto: © Lena Gilhaus

Dr. Brigitta Jacobs kennt sich aus und teilt ihr Wissen als Ernährungsexpertin schon seit vielen Jahren mit den Defi-Patienten. In diesem Jahr ermunterte sie die Teilnehmer zu saisonal abgestimmter Ernährung. Sie empfahl, sich einen Kalender zuzulegen, der die Erntezeiten angibt, wie im Winter Grünkohl oder Wirsing und im Sommer Erdbeeren oder Spargel, und die Produkte dann auch nur in diesen Zeitspannen zu kaufen. Dadurch vermeide man den Konsum von überzüchtetem Gemüse, das nicht schmecke, kein Aroma und kaum Vitamine habe. Die Verbraucher seien das Zünglein an der Waage. Denn die Supermärkte würden die schlechte Ware nicht anbieten, wenn sie nicht gekauft würde. Designerlebenmittel, wie Omega 3 angereicherte Produkte, brauche man nur im Einzelfall. Jacobs plädiert für natürliche Produkte, darin sei alles enthalten, was der Körper brauche.

Herzgesunde Ernährung
Herzgesunde Ernährung. Foto: © Lena Gilhaus
 
Für Herzpatienten empfiehlt sie die mediterrane Küche mit viel Olivenöl und frischem Gemüse. Als Orientierungshilfe für die richtige Ernährung diene die Lebensmittelpyramide. Danach sollte die Grundversorgung aus Brot, Teigwaren, Kartoffeln und Getreide bestehen. Darauf folgt Gemüse und dann Olivenöl. Käse und Joghurt bilden die nächsten Ebenen. Fisch und Geflügel stehen auf der fünften und sechsten Stufe und auf Stufe sieben finden sich maximal zwei bis drei Eier in der Woche. Zwischendurch ein paar Süßigkeiten dürfe sich jeder gönnen und auch mal ein Stück rotes Fleisch und ein Glas Wein.

Jacobs erklärte den Teilnehmern, dass Wein weitaus verträglicher sei als Bier. Denn die Menge macht es. Ein Glas Wein à 200 ml könne über den Abend genüsslich getrunken werden, wohingegen Biertrinker schnell auf ein oder zwei Liter Gerstensaft kommen.

Das Fazit: Alles ist laut Jacobs erlaubt, aber es kommt auf die Dosis an.

 

Teamarbeit beim Elektrodenwechsel
Oberarzt Dr. Heinrich Rotering und Dr. Florian Reinke.

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Oberarzt Dr. Heinrich Rotering und Dr. Florian Reinke. Foto: © Lena Gilhaus

Die beiden Ärzte sprachen mit den Patienten über Möglichkeiten operativer interventioneller Therapien. Dabei ging es schwerpunktmäßig um die Indikation zum Elektrodenwechsel – also welche medizinische Maßnahme beim Elektrodenwechsel für den Patienten am sinnvollsten ist.

Viele Teilnehmer wollten wissen, warum und wann man die Elektrode überhaupt austauschen muss. Ein Wechsel des Defi-Aggregates oder ein Elektrodenwechsel werden zwingend erforderlich, wenn die Elektrode oder das Aggregat schon vor Erschöpfung der Batterie Materialerschöpfungen oder versteckte technische Mängel aufweisen.

Die Hauptfragen der Teilnehmer bezogen sich überwiegend auf neue medizintechnische Möglichkeiten des Elektrodenwechsels. Rotering klärte ober die innovative Lasermethode auf, die neuerdings in Münster angewandt wird. Dabei werden die Elektroden mittels Laserstrahlen extrahiert: Das ist laut Rotering ein schonenderes Verfahren als die herkömmliche Operation.

Welche Maßnahme für welchen Patienten am sinnvollsten ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Rolle spielt z.B. das Alter. Die Elektrode im Gerät eines älteren Patienten ließe sich gegebenen Falls stilllegen, meint Rotering. Bei jüngeren Patienten hingegen sei das weniger sinnvoll, weil diese noch mehrere Elektroden bekommen könnten.

Teamarbeit beim Elektrodenwechsel
Teamarbeit beim Elektrodenwechsel. Foto: © Lena Gilhaus

Allgemeingültige Empfehlungen konnte Rotering also nicht geben: „Man muss für jeden Patienten das optimale Therapiekonzept finden. Für jeden müssen Risiken abgewogen werden, damit man den Patienten keineswegs schädigt.“

Nach dem Vortrag bildete sich eine lange Schlange. Viele Patienten wollten individuelle Fragen beantwortet bekommen. Bei der Defi-Tagung war dafür Zeit, ganz im Gegensatz zum Klinikalltag.

 

Situation der Angehörigen
Beate Oetjen, Werner Wesselmann

Beate Oetjen und Werner Wesselmann
Beate Oetjen und Werner Wesselmann. Foto: © Lena Gilhaus

Angehörige und Defi-Patienten tauschten sich mit den Referenten und untereinander aus, gaben Tipps und zeigten Verständnis.

Situation der Angehörigen
Die Situation der Angehörigen. Foto: © Lena Gilhaus

Deutlich wurde, dass die Angehörigen oft zwischen zwei Polen changieren: Zum einen wollen viele alles richtig machen. Sie hoffen ihren Partner oder Angehörigen im Ernstfall retten zu können und setzen sich damit nicht selten unter Druck. Zum anderen geraten sie in Gefahr, übervorsichtig zu werden und den Partner oder Verwandten einzuschränken oder zu bevormunden.

Andreas Belz trägt seit zwei Jahrzehnten einen Defi und kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. Zunächst gab er den Teilnehmern einen Tipp: Jeder Angehörige sollte sich einen Schlachtplan für den Ernstfall ausdenken. „Wenn es so weit ist, dass der Partner umfällt, dann kann es zu 90 % passieren, dass der Partner ebenfalls die Fassung verliert. Überlegen Sie, was mache ich dann!“, ermahnte Belz die Teilnehmer. Meist sei ratsam nach einem Schock die 112 anzurufen. Das sei nicht verpflichtend, wenn es dem Patienten nach dem Schock wieder gut gehe. Aber wer unsicher sei, sollte ärztlichen Rat einholen. „Ihr Los ist es, ihrem Gegenüber eine Hilfe zu sein“, sagte Belz. „Dabei gilt es die Waage zu halten, Übervorsicht ist auch ein Problem.“ Das sei natürlich viel verlangt, aber in erster Linie ginge es um den Defi-Patienten.

Doch wohin mit den eigenen Gefühlen? Eine Teilnehmerin erzählte, dass sie langte Zeit versucht hätte, das Verhalten ihres Mannes zu kontrollieren. Und damit scheiterte. „Dann bleibt die Frage, wohin mit meiner Angst.“ Auch Angehörige dürfen sich Hilfe holen, sollten mit ihren Ängsten nicht allein bleiben. Dafür ist auch der Gesprächskreis da. Hier dürfen sich die Angehörigen, ihre Sorgen von der Seele reden. Oft halten sie sich zurück, weil sie die eigenen Probleme nicht beim Betroffenen abladen wollen. Diese unterdrückten Ängste kompensieren dann einige durch ein Kontrollverhalten. Das stößt oft auf Widerstand. „Ich werde grantig, wenn man mir vorschreibt, was ich zu tun habe.“ gibt Belz zu. „Ich habe einen Defi bekommen, um wieder frei zu leben.“

Eine Angehörige hat gelernt loszulassen. Ein Oberarzt hatte nach einer Untersuchung lange mit ihr gesprochen und ihr klar gemacht, dass sie für die Krankheit ihres Mannes nicht verantwortlich sei. In der nächsten kritischen Situation konnte sie deutlich ruhiger bleiben. „Ich hatte immer diese Worte des Oberarztes im Ohr: Sie haben keine Schuld, wenn etwas passiert.“

 

Homöopathie bei Herzpatienten
Dr. Wolfgang Weßling

Dr. Wesseling
Dr. Wolfgang Wesseling. Foto: © Lena Gilhaus

Defi-Patienten leiden oft an gefährlichen Herzrhythmusstörungen. Das hat zur Folge, dass viele starke Medikamente, wie Betablocker, nehmen müssen. Inwieweit können homöopathische Medikamente bei solchen lebensbedrohlichen Erkrankungen helfen? Darauf gab Homöopath und Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Weßling Antworten.

Seit 30 Jahren arbeitet Weßling als Homöopath, weil er mit der Schulmedizin unzufrieden wurde. Rund 3000 homöopathische Mittel gibt es mittlerweile. Am Bekanntesten sind die Globoli, die Kügelchen, aber auch die Schüsslersalze. Die Inhaltsstoffe homöopathischer Mittel werden hochverdünnt und dann durch Schütteln potenziert. Nebenwirkungen sind nicht bekannt, Kritiker sprechen den extrem verdünnten Mitteln aber überhaupt eine medizinische Wirkung ab.

Weßling schwört auf die Homöopathie als Ergänzung zur Schulmedizin. In der Homöopathie geht es darum, für jeden Patienten ein individuell geeignetes Mittel zu finden. Dafür muss Weßling erst mal sehr viel über seinen Patienten erfahren. „Ich frage den Patienten, warum er kommt. Was für Beschwerden er hat. Ich frage ihn quasi ein Loch in den Bauch“, sagt Weßling. Dann liest er die Berichte anderer Ärzte und fragt bei Kindern oder Menschen mit Konzentrationsschwäche auch mal die Angehörigen aus. Das Motto der Homöopathen sei: Befragen, befragen, befragen und alles lesen, was über den Patienten bekannt ist. „Ich suche jede Information, um die Eigenheiten des Patienten zu finden,“ sagt Weßling und erst wenn er sich ein umfassendes Bild gemacht hat, kann er mit der Therapie beginnen.

„Gibt es ein homöopathisches Mittel, dass den Beta-Blocker ersetzt?“ ist die Frage einer Teilnehmerin „Nein! Aber!“ antwortet Weßling. Es gebe nicht das Mittel gegen Herzerkrankungen. Als Homöopath sage man auch nicht: „Zur Stärkung des Herzmittels nehme man!“ In der Homöopathie hängt die Wahl eines Mittels von vielen Faktoren ab. „Wenn ich einen Patienten behandle, der Betablocker wegen hohem Blutdruck nimmt. Dann kann es sein, dass er unter Druck steht: Sein Gefäßsystem steht unter Druck, sein Chef und seine Frau machen Druck und er hat von zuhause gelernt, dass man unter Druck stehen muss, wenn man etwas leisten will.“ Durch ein homöopathisches Mittel könnte Weßling dem Patienten eventuell einen „Schubs“ geben, und ihm helfen, von diesem Druck wegzukommen. Dann könnte sich auch der Blutdruck senken und dann gegebenenfalls die Menge des Betablockers reduziert werden. Ob das funktioniere, hänge von der individuellen Krankengeschichte ab. Gegen manche Erkrankungen ist die Homöopathie machtlos. Wurde das Gewebe eines Patienten durch einen Herzinfarkt zerstört, dann kann dies der Homöopath nicht mehr erneuern.“Ist logisch“, sagt Weßling, Aber bei Herzrhythmusstörungen, dessen Ursache noch unbekannt ist, bestehe die Möglichkeit, einen homöopathischen Impuls zu geben, der zu einer Verbesserung führen könnte.

„Reagieren sie nur auf die Fragen, die der Patient stellt oder machen sie auch Blutanalysen?“, wird Weßling von einer Teilnehmerin gefragt. Weßling ist auch Allgemeinmediziner und nimmt auch mal Blut ab. Aber vorwiegend behandelt er auf Grundlage der Homöopathie. Für schulmedizinische Untersuchungen müssen die Patienten einen anderen Arzt aufsuchen.

„Kann man Homöopathie zusätzlich zu chemischen Mitteln nehmen?, will eine andere Teilnehmerin wissen. „Das geht“, antwortet Weßling. Aber es gebe Fälle, in denen die chemischen Medikamente die Wirkung der homöopathischen Mittel aufheben. Kortison könne z.B. die Wirkung einschränken.

Ob es auch homöopathische Mittel gibt, die vorbeugend gegen Herzrhythmusstörungen wirken, will ein weiterer Teilnehmer wissen. Diese Frage muss Weßling wieder verneinen, schließt jedoch auch wieder ein „aber“ an. Es gebe z.B. das Mittel Arnika gegen Verletzungen und zu den Verletzungen könne auch der Herzinfarkt gehören. Das hieße nicht, dass der Patient im Notfall zuallererst mit Arnika behandelt werden muss. Zuerst muss der Notarzt angerufen werden. Weßling empfiehlt, dann Arnika einzunehmen. Dies könne eventuell die Stärke des Infarkts mildern.

Im Gesprächskreis wird eins klar: Die Homöopathie kann die Schulmedizin nicht ersetzen, aber sie kann gegebenenfalls helfen, präventiv Krankheiten vorzubeugen und dazu beitragen, die Medikamentenmenge zu verringern und manche Mittel vielleicht sogar abzusetzen.

 

Die Arbeitsgruppen am Sonntag

 

Umgang mit Angst
Dr. med. Eva Hüttich

Dr. Huettich
Dr. med Eva Hüttich. Foto: © Lena Gilhaus

Die Psychologin Dr. med. Eva Hüttich sprach mit den Teilnehmern, über Möglichkeiten mit Angst- und Panikzuständen umzugehen. Viele Defi-Patienten entwickeln nach der Defi-Implantation große Ängste, haben Todespanik oder fürchten sich vor den Elektroschocks. In der Gesprächsrunde wollten die Teilnehmer unter sich bleiben, deshalb wird an dieser Stelle auf eine inhaltliche Zusammenfassung der Veranstaltung verzichtet.

 

Subkutaner Defibrillator. Fragen an die Medizintechnik
Rainer Volk, Cameron Health

Rainer Volk
Rainer Volk. Foto: © Lena Gilhaus

Wer sich für technische Fragen und die Defi-Unternehmen interessierte, war bei Rainer Volk richtig. Rainer Volk ist Mitarbeiter des Defibrillator-Herstellers „Cameron Health“ und stellt sein Fachwissen den Patienten regelmäßig bei den Jahrestagungen der Defi-Liga zur Verfügung. In den diesjährigen Work-Shop führte er mit der Gründungsgeschichte von „Cameron Health“ ein.
Die Firmengründung geht auf die Mediziner Gust Bardy und Riccardo Cappato im Jahr 2000 zurück. Wie andere große amerikanische Unternehmen auch, fingen die Gründer mit einer Idee an und wurden mit ihr größer und größer. Ihre Idee: Sie wollten die Ära der transvenösen Defibrillator-Technik beenden und suchten fieberhaft nach einer neuen Verankerungstechnik der Elektroden. Sie wollten einen subkutanen Defibrillator schaffen, der keinen direkten Kontakt mehr zum Herzen hat.

Zwischen der ersten Implantation eines Defibrillators im Jahr 1980 bis zur Gründung des Unternehmens „Cameron Health“ im Jahr 2000 hatte die Defibrillatortechnik drei Entwicklungsschritte vollzogen: Vom Ein-Kammer-, zum Zwei-Kammer- bis zum Drei-Kammer System. Die Geräte waren leichter geworden, die Operationen unkomplizierter, aber alle Defis mussten schlussendlich durch transvenöse Elektroden mit dem Herzen verbunden werden. Die beiden Mediziner fragten sich, ob es nicht auch noch andere Möglichkeiten geben könne, um den Defi im Körper zu verankern. Denn die Drähte im Herzen können zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Bardy und Cappato waren Mediziner und verfügten über wenig Technikexpertise. Das technische Wissen holten sie sich deshalb von außen herein und tüftelten jahrelang an ihrer Idee.

Knapp zehn Jahre nach der Gründung gelang die Implantation des ersten S-ICD von Cameron Health. Fachstudien kommen zu dem Urteil, dass der S-ICD einen sicheren Schutz vor dem plötzlichen Herztod biete. Allerdings ist das Aggregat größer als das herkömmlicher transvenöser Defis. Manche Patienten klagen über die große Auswölbung unter der Haut.
„Protecting without touching the heart“, das war das Firmenmotto. Also sinngemäß: „Sicherer Schutz ohne Berührung des Herzens.“

Mittlerweile wurde die Firma aber vom Defi-Hersteller Boston Scientific aufgekauft Schade für den Gründer Gust Bardy: Der hatte Cameron Health nämlich nach seinem Sohn Cameron benannt.

 

Rhythmus Medikamente
Dr. Armin Schuster

Dr. Armin Schuster
Dr. Armin Schuster.
Foto: © Lena Gilhaus

Viele Patienten nehmen starke Rhythmusmedikamente gegen ihre Herzprobleme – die Folge sind oft starke Nebenwirkungen. Dr. Armin Schuster nahm sich den vielen Sorgen an und klärte im Dialog mit den Patienten die brennenden Fragen nach dem richtigen Medikament. Die Teilnehmer sollten sich folgende simple Frage stellen:„Wie geht’s mir eigentlich mit dem Medikament?“
Ein Teilnehmer nahm das zum Anlass, seine Medikamentengeschichte zu erzählen. Diese steht beispielhaft für die Zwickmühle, in der viele Defi-Patienten stecken: Sie brauchen lebensrettende Medikamente, die aber zu starken Nebenwirkungen führen. Der besagte Teilnehmer leidet an Herzsprüngen. Im Ruhezustand hat er oft einen Ruhepuls von unter 50 Schlägen, der teils sogar bis auf 30 absinkt. Dann plötzlich springt sein Herz auf 200 Schläge hinauf. Er nimmt gegen die Sprünge Beta-Blocker. „Die drücken mich aber runter“, beklagt er. Die Medikamente machen ihn antriebsarm.  „Gibt es Alternativen?“ will er von Schuster wissen. Schuster schlägt eine andere Substanzgruppe vor – zum Beispiel Metoprolol oder Bisoprolol. Diese würden weniger einschränken, weniger den Antrieb drosseln. Doch zur Stabilisierung des Rhythmus sei immer ein rhythmussenkendes Präparat geeignet und der Beta-Blocker senke den Puls am intensivsten. Beloc Zock sei die retadierte Form von Metoprolol. Für Patienten, die die Medikamente nur bei Bedarf nähmen, sei Beloc Zock aber zu langsam. Metoprolol hingegen wirke relativ schnell.
Armin Schuster stellte die Risiken und Nebenwirkungen heraus, zeigte auf, wo Gefahren und Chancen eines Medikamentes lägen und zwischen welchen Alternativen abzuwägen sei.

 

Schlafbezogene Atemstörungen bei Defibrillatorpatienten
Dr. Arne Wichmann

Dr. Wichmann
Dr. Arne Wichmann. Foto: © Lena Gilhaus

Der Mediziner Dr. Arne Wichmann ist Experte rund um den Schlaf. Er erklärte den Teilnehmern, in welchem Zusammenhang schlafbezogene Atemstörungen mit Herzerkrankungen stehen.
Dafür erläuterte er zunächst die unterschiedlichen Schlafphasen. In der ersten Nachthälfte liegen die Tiefschlafphasen. Sie sollten insgesamt 20 % des Gesamtschlafs ausmachen. Am tiefsten schläft man in der Rem-Phase. Die Rem-Phase hat jeder schon einmal der erlebt, der im Traum das Gefühl hatte, sich nicht bewegen zu können. „Sie wollen weglaufen, geht aber nicht.“, sagte Wichmann. Denn im Rem-Stadium wird die Muskelaktivität so stark zurück gefahren, dass der Körper wirklich wie gelähmt ist. In der zweiten Nachthälfte liegt die Traumphase, die leichtere Schlafphase. Besonders wichtig für die Erholung und die Gesundheit ist die Tiefschlafphase. Ob Patienten die natürlichen Schlafphasen durchlaufen, kann im Schlaflabor durch die Aufzeichnung der Schlafstadien überprüft werden. Dabei wird getestet, ob der Patient die wichtige Tiefschlafphase erreicht oder nicht und gegebenenfalls auch untersucht, warum die Tiefschlafphase gestört wird.

Ein großer Störfaktor für den Tiefschlaf können schlafbezogene Atemstörungen sein, wie das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Das OSAS äußert sich in Atemaussetzern, die meist von starkem Schnarchen begleitet werden. Solche Störungen können auch in direktem Zusammenhang zu Herzrhythmusstörungen stehen. Sehr häufige Auslöser für Rhythmusstörungen sind Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck oder Herzmuskelerkrankungen. Bei vielen Patienten resultiert die Erkrankung aus einem Sauerstoffmangel. Das ist der gemeinsame Faktor vieler Auslöser für Herzrhythmusstörungen.

„Wie die Schlange sich in den eigene Schwanz verschlingt“, sagte Wichmann, verursache das OSAS Rhythmusstörungen oder die Rhythmusstörungen führten zu Schlafproblemen, Manchmal sei es die Ursache, manchmal die Folge. Deshalb sei es wichtig, den Schlaf zu untersuchen.

Wichmann ist der Meinung, dass viele Defis vorschnell eingesetzt würden. „Manche brauchen einfach nur eine Schlafmaske, weil sie die Herzfrequenz drosseln könnte“, sagte Wichmann. Er stütze sich damit auf neueste Erkenntnisse aus den letzten Jahren.

Eine Schlafmaske kann zum Beispiel verhindern, dass beim OSAS die Zunge im Schlaf nach hinten fällt und damit die Luftzufuhr verschließt. Als eindrucksvolles Beispiel führte Wichmann den verstorbenen CSU-Politiker Franz Josef Strauss an. Er stehe für den Risikopatienten schlechthin. Strauss hatte einen gedrungenen Körper und einen dicken Hals. Deshalb sei eine Verengung der Atemwege bei ihm sehr wahrscheinlich gewesen. Denn Übergewicht führt auch zu Fettablagerungen im Gaumen. Ebenso sind Menschen gefährdet, deren Unterkiefer etwas zurück steht. Wenn die Sauerstoffzufuhr nachts eingeschränkt wird, besteht ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und eine Beeinträchtigung der Herz-Kreislauffunktion.

Moderne Schlafmasken sind mittlerweile sehr klein und können Abhilfe von vielen atembezogenen Schlafstörungen schaffen. Auch können sie bei Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion wirksam sein.

 

Hersteller und Gäste

Neben den Referenten standen auch Mitarbeiter der Defi-Hersteller für Fragen zur Verfügung. Die Hersteller Biotronic, Medtronic, Boston Scientific, St. Jude, Sorin und Cameron Health präsentierten sich auf der Tagung mit ihren Infoständen.

Außerdem zu Gast war die Internetplattform kardionet, die Informationen für Herzpatienten zur Verfügung stellt.

Die Defi Liga bedankt sich bei den Referenten und den Herstellern für Ihren Einsatz.

 

 

Text und Fotos © Lena Gilhaus