Herzrhythmusstörungen entstehen, wenn die Erregungsbildung und Erregungsleitung im Herzen beeinträchtigt werden. Ursachen für diese Beeinträchtigungen sind vor allem koronare Herzkrankheiten, Herzinfarkte, eine Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündungen, Kardiomyopathien und Bluthochdruck, aber auch

  • Elektrolytstörungen
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Diabetes mellitus
  • Alkohol und Medikamente

Laboruntersuchungen bei Herzpatienten

Um einen Überblick über die persönliche Situation des Herzpatienten zu bekommen, unterziehen sich Herzpatienten regelmäßigen Laboruntersuchungen. Untersucht werden dabei

  • das Blutbild
  • die Versorgung des Körpers mit Elektrolyten wie Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium
  • die Nierenfunktion
  • der Eisenstoffwechsel
  • der Blutfettstoffwechsel,
  • der Blutzucker
  • die Schilddrüsenfunktion

Das „Kleine Blutbild“

Das menschliche Blut besteht etwa zu 50 Prozent aus Zellen und zu 50 Prozent aus Blutplasma. Das Plasma enthält Wasser, Elektrolyte (z. B. Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium), Gerinnungsfaktoren, Eiweiße (Proteine), Nährstoffe wie Blutzucker und Fette, aber auch Abfallstoffe. Mit dem Blut gelangen diese Stoffe in alle Teile des Körpers und versorgen Organe und Gewebe. Das „Kleine Blutbild“ gibt Auskunft über die zellularen Bestandteile des Blutes. Dies sind die roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen.

  • Der Hämatokritwert zeigt, wie viele feste Zellbestandteile das Blut insgesamt hat.
  • Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren den Sauerstoff. Ihre Zahl und ihre Größe geben Auskunft darüber, wie gut der Körper mit Sauerstoff versorgt ist. Hat das Blut eines Herzpatienten zu wenig rote Blutkörperchen (und damit zu wenig Hämoglobin), spricht man von einer Blutarmut. Sie kann zu einer Herzmuskelschwäche (Insuffizienz), Herzschmerzen (Angina pectoris), einem Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder auch zum Kammerflimmern führen.
  • Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind zuständig für die Immunabwehr. Anhand ihrer Zahl kann der Arzt Rückschlüsse auf die zelluläre Immunabwehr der Patienten ziehen. Sind bei Herzpatienten mehr weiße Blutkörperchen im Blut als üblich, kann dies auf eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis), eine Entzündung des Herzmuskels (Myocarditis) oder auch einen Herzinfarkt hinweisen.
  • Die Blutplättchen (Thrombozyten) sind entscheidend für die Blutgerinnung verantwortlich. Ist die Zahl der Blutplättchen gering, kann das Blut schlechter gerinnen. Die Patienten neigen dann zu Blutungen.
  • Das Hämoglobin ist ein eisenhaltiger Proteinkomplex, dass sich hauptsächlich in den roten Blutkörperchen befindet und den roten Blutkörperchen ihre Fähigkeit verleiht, den Sauerstoff zu transportieren.

Das „Große Blutbild“

Im Unterschied zum „Kleinen Blutbild“ geht das „Große Blutbild“ stärker in die Detailmessung. Deshalb wird es auch Differentialblutbild genannt und bestimmt die Unterformen der Leukozyten. Ordnung ist. Dies gibt Hinweise darauf, ob Patienten zum Beispiel Infektionen haben oder von Tumorkrankheiten betroffen sind.

Welche Risikofaktoren fördern koronare Herzkrankheiten?

Blutfette

Fette, die wir mit der Nahrung aufnehmen, werden von sogenannten Lipoproteinen (Fetteiweiße) in Form winziger Kugeln mit dem Blut durch den Körper transportiert. Lipoproteine unterscheiden sich in ihrer Größe, ihrer Dichte und ihrem Aufbau.

Cholesterin ist ein fettähnlicher Naturstoff und eine Vorstufe von Cortison, Aldosteron, Sexualhormonen und Gallensäuren. Es ist zuständig für die Entwicklung von Zellmembranen und notwendig für die Bildung von Vitamin D in der Haut. Es wird im Körper zu 90 Prozent selbst erzeugt und ist im Blut an die sogenannten Lipoproteine gebunden.

  • Dassogenannte gute Cholesterin ist ein Lipoprotein mit einer hohen Dichte (HDL). Es schützt vor einer zu hohen Cholesterineinlagerung in den Gefäßen.
  • Das sogenannte schlechte Cholesterin ist ein Lipoprotein mit einer geringen Dichte (LDL). Es lagert sich in den Gefäßwänden ab und kann zu Gefäßplaques, Rupturen, Arteriosklerose, Koronaren Herzkrankheiten (KHK) und Infarkten führen.
  • Auch Lipoprotein (a) hat eine niedrige Dichte (LDL). Menschen mit erhöhten Lipoprotein-(a)-Werten tragen ein erhöhtes Risiko für Herzgefäßerkrankungen. Da Lipoprotein (a) genetisch vererbt wird, ist seine Konzentration im Blut nicht veränderbar. Deshalb stellen sie einen erblich bedingten Risikofaktor für Koronare Herzkrankheiten (KHK) und Infarkte dar.

In diesem Zusammenhang wies Dr. Quante auch darauf hin, dass die Blutfette bei älteren Menschen höhere Normalwerte als bei jungen Menschen zeigen.

Blutzucker

Der Blutzuckerspiegel zeigt an, wie viel Glukose das Blutserum mit sich führt. Als normal gilt ein Blutzuckerspiegel von weniger als 110 mg%. Erhöhte Blutzuckerwerte können auf eine Zuckerkrankheit hindeuten, die auch als Diabetes mellitus bekannt ist und ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Arteriosklerose, eine koronare Herzkrankheit, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bedeutet.

Elektrolyte

Herzrhythmusstörungen können unter anderem hervorgerufen werden, weil Elektrolyte wie Kalium, Natrium, Magnesium und Calcium im Blut zu hoch oder zu niedrig konzentriert sind. Zu den biologischen Elektrolyten zählen Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium, Chlorid und Phosphat. Sie sind für die Zellfunktionen unentbehrlich, regulieren die elektrische Spannung an der Zellmembran sowie den Wasserhaushalt.

Kalium

Kaliumist das wichtigste Kation in den menschlichen Zellen. Es sorgt für die Elektrizität der Zellmembran, so dass Muskelzellen gereizt und gesteuert werden können. Es sorgt aber auch für die Reizbildung und Reizleitung im Herzmuskel. Es ist reichlich in Obst, Vollkorn-Getreideprodukten, Nüssen, Fisch, Geflügel und Gemüse vorhanden.

Ist der Kaliumgehalt im Körper zu gering, spricht man von einer Hypokaliämie. Dazu kann es kommen, wenn Menschen erbrechen, Durchfall haben, Abführmittel nehmen, stark schwitzen (Sport), nierenkrank sind oder entwässernde Medikamente (Diuretika) einnehmen. Muskellähmungen, Verstopfung, Ileus, Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern können die Folge sein.

Ist der Kaliumwert erhöht, spricht man von einer Hyperkaliämie. Niereninsuffizienz, Medikamente wie ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Spironolacton, kaliumsparende Diuretika oder sogar der reichliche Konsum Lakritz können die Ursache sein. Muskelzuckungen und mitunter lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen können daraus folgen.         

Natrium

Natrium ist ein Kation, das sich zu 90 Prozent außerhalb der Zelle befindet. Es ist wichtig für den Wasserhaushalt im Körper, den die Nieren regulieren, sowie für die Entstehung und Weiterleitung der Bioelektrizität.

Von einer Hyponatriämie spricht man, wenn zu viel Wasser im Körper ist und die Natriumkonzentration daraufhin sinkt. Dies ist zum Beispiel bei einer Herzinsuffizienz der Fall oder wenn die Nieren erkrankt sind. Außerdem kann der Körper durch Erbrechen, Durchfall oder mittelbar durch Diuretika verlieren. Er kann darauf mit Schwindel, Krämpfen Ventrikulären Tachykardien oder auch Hirnödemen reagieren.

Zu einer Hypernatriämie kann es kommen, wenn im Körper Wassermangel herrscht. Viele Menschen vergessen das Trinken und dehydrieren dadurch mehr, als es ihnen gut tut. Aber auch verstärktes oder dauerhaftes Schwitzen und die entwässernden Diuretika können zu einer zu hohen Natriumkonzentration führen. Ödeme, Schwäche, Krämpfe oder Muskelzuckungen sind die Folge.

Magnesium

Neben dem Kalium ist Magnesium ein wichtiges Elektrolyt. Es kommt zu 99 Prozent in den Zellen vor. Vor allem in Knochen, in der Muskulatur – und damit auch im Herzmuskel. Magnesium aktiviert als deren Bestandteil über 300 Enzyme und reguliert, wie durchlässig eine Zellmembran ist. Außerdem stabilisiert es das elektrische Ruhepotenzial von Nerven- und Muskelzellen. Der Mensch kann es über Vollkornprodukte, Nüsse, Kürbiskerne, Milch, Bananen, Hülsenfrüchte, Geflügel, Fisch oder auch Mineralwasser aufnehmen.

Herrscht im Körper Magnesiummangel können Magen-Darmerkrankungen, Durchfall, starkes Schwitzen, Alkoholismus oder Nierenkrankheiten die Ursache sein. Er führt zu Wadenkrämpfen, Müdigkeit, Nervosität, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen. Sein Gegenspieler ist das Calcium, das für die Muskelentspannung sorgt.

Calcium

Calcium finden wir zu 99 Prozent in den Knochen und Zähnen und zu einem Prozent gelöst in Blut und Gewebe. Es ist in Milchprodukten, Grünkohl, Petersilie, Bananen, Nüssen oder auch Mineralwasser. Damit der Körper Calcium aufnehmen kann, braucht er Vitamin D3. Innerhalb der Zellen dient Calcium der Muskel- und Nervenerregung. Strömt es in eine Muskelzelle – zum Beispiel im Herzmuskel – führt das zur Kontraktion.

Calcium-Mangel – oder Hypokalzämie – entsteht durch eine zu geringe Zufuhr, zum Beispiel durch Calciumarme Ernährung, chronische Darmkrankheiten, Nierenausscheidung, Hormonmangel während der Wechseljahre und eine – meist altersbedingte – sinkende Aufnahme aus dem Darm. Ein Vitamin-D3-Mangel, eine Laktoseintoleranz oder eine Kuhmilchallergie befördern den Calciummangel. Erkrankte Nebenschilddrüsen, Osteoporose, Hautekzeme, brüchige Nägel, Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen können die Folge sein.

Hyperkälzämie – also ein zu hoher Calciumgehalt im Blut – entsteht häufig bei Krebserkrankungen, Hormonstörungen, Nierenkrankheiten, zu hohem Konsum von Milchprodukten oder Calciumtabletten. Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, Übelkeit, Erbrechen, ja sogar Psychosen und Komata sind möglich.

Die Schilddrüse

Die Abkürzungen T3 und T4 benennen die Schilddrüsenhormone. Der Buchstabe T steht dabei für Thyreoide. Ihre Überfunktion wird als Hyperthyreose, ihre Unterfunktion als Hypothyreose bezeichnet. Die Hyperthyreose kann einhergehen mit Nervosität, Zittern, Schwitzen, Bluthochdruck, Herzrasen, Vorhofflimmern oder Herzrhythmusstörungen. T3 und T4 steigern die Empfindlichkeit des Herzens sowohl auf Adrenalin als auch auf Noradrenalin sowie die Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen.

Die Nebenschilddrüsenzellen in der Schilddrüse produzieren Parathormon, ein Hormon, das für die Regulierung des Calciumhaushalts erforderlich ist.

Die Nieren

Die Nieren reinigen das Blut und regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt. Herz und Nierenfunktion sind eng miteinander verbunden. Beim Eiweißstoffwechsel wird Harnstoff, beim Muskelstoffwechsel Kreatinin abgebaut. Beide Abbauprodukte werden über die Niere ausgeschieden. Indem er die Konzentration im Blut misst, sieht der Arzt, wie es um die Nierenfunktion bestellt ist.

Was sagen die Laborwerte bei einer Herzinsuffizienz?

Bei einer Herzinsuffizienz sind vor allem die Elektrolytkonzentrationen von Natrium erniedrigt. Es kommt dann zu einer Hyponatriämie durch Wassereinlagerung. Das Natriuretische Peptid (BNP) ist ein Hormon aus den Herzmuskelzellen, dass bei einer übermäßigen Dehnung des Herzmuskels freigesetzt wird. Dies führt wiederum zu Natriumausscheidungen und zu einer Entwässerung – also der umgekehrte Effekt. Ist der BNP-Wert normal, schließt das eine Herzinsuffizienz aus. Auf eine Niereninsuffizienz schließt der Arzt über höhere Kreatinin- und Harnstoffwerte. Und schließlich können auch erhöhte Leberwerte Zeichen für eine Herzinsuffizienz sein.

Bevor Dr. Quante die differenzierten Fragen der Gäste beantwortete, wies er noch darauf hin, dass Bluthochdruck, Rauchen, weitere erbliche Faktoren sowie ein Mangel an Bewegung ebenfalls zu den Risikofaktoren für Herzkrankheiten zählen. Beisitzer Manfred Koße, Ulrike und Georg Duchna bedankten sich für die ausführlichen Hinweise und Erläuterungen und gaben dem „frisch gebackenen Opa“ einen edlen Tropfen mit auf den Weg.

Text: Birgit Schlepütz