Alle drei Monate ist es für den Defibrillator (Defi) -Träger so weit: Er muss zum Check - der so genannten Defi-Abfrage. Dabei geht es darum, zu schauen, wie oft  der Defi seit der letzten Überprüfung geschockt hat, ob das Gerät richtig funktioniert und ob es richtig eingestellt ist. Der unangenehmste Teil der Abfrage ist für viele die Reizschwelle, bei der die Herzfrequenz erhöht wird. Im Idealfall werden bei der Abfrage auch individuelle Probleme mit den Ärzten besprochen. Manchmal bleiben aber noch offene Fragen. Wir haben deshalb mit den Mitarbeitern der Defi-Abfrage im Universitätsklinikum Münster (UKM) über oft gestellte Fragen und häufige Ängste gesprochen.

In sicheren Händen: Die Defi-Abfrage im UKM

Im Ostturm des UKM auf der Ebene 05 liegt die Defibrillator-Ambulanz . Bevor es ins Behandlungszimmer geht, nimmt Christel Neuhäuser an der Leitstelle die Daten des Patienten auf. „Mit den Unterlagen schicke ich die Patienten dann in die Ambulanz genau gegenüber“, sagt Neuhäuser und lächelt freundlich. Dort wird der Patient nach einer kurzen Wartezeit in einen kleinen Raum geführt - das Behandlungszimmer. Hier arbeiten heute Kardiologe Dr. Shahram Ramtin, Assistentin Maren Fröhlinghaus und Cornelia Hoppe vom Defi-Hersteller Boston Scientific. „Vor der Defi-Abfrage braucht niemand Angst zu haben“, sagt Cornelia Hoppe.

Die Abfrage dauert im Schnitt 15 bis 20 Minuten. Der Patient muss sich dafür auf eine Liege legen und nur den Oberkörper frei machen. Die Untersuchung wird ruhig und schmerzfrei durchgeführt und läuft nur über der Haut ab. Mittels einer Kelle, die aussieht wie eine kleine Untertasse, und über dem Aggregat aufgelegt wird, werden die Daten aus dem Gerät auf einen Computer übertragen. Diese Daten kann Maren Fröhlinghaus dann vom  Bildschirm ablesen. Die Abfrage  lässt sich dabei  in folgende Zwischenschritte einteilen:

Zunächst wird ein Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) angelegt, um die Erregungsvorgänge im Herzen und den Herzrhythmus zu beurteilen. Dann beginnt die Überprüfung des Geräts mithilfe der Kelle. Um die Laufzeit des Defis zu prüfen, wird zunächst der Batteriestatus des Aggregats ermittelt. Dann wird das Aggregat mit der Elektrode überprüft, um zu schauen, ob mit dem Gerät und den Elektroden alles in Ordnung ist.

Bei der Speicherabfrage wird geschaut, welche Vorfälle es gab und wie oft das Gerät eingreifen musste, weil lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen vorlagen. Maren Fröhlinghaus fragt dann den Patienten, ob er sich an die Vorfälle erinnern kann und was er dabei gespürt hat.  Dann wird nach Ursachen für die vom Defi abgegebenen Therapien gesucht - zum Beispiel ob es ein Elektrodenproblem ist. Wenn gehäufte Herzrhythmusstörungen vorlagen, dann können diese eventuell mit Medikamenten behandelt werden.

Manchmal geben Defis aber auch inadäquate Schocks ab. Das heißt, der Defi schockt, obwohl eigentlich keine Gefahr besteht -  beispielsweise bei normalem Herzrasen nach körperlichen Anstrengungen. Diese Schocks empfinden manche Patienten als sehr unangenehm. Um weitere inadäquate Auslöser zu verhindern und damit die Lebensqualität des Patienten zu verbessern, können neue Einstellungen vorgenommen werden. "Wir können zum Beispiel eine " Wartezeit " einstellen oder verlängern, sagt Kardiologe Shahram Ramtin, "der Defi wird dann so programmiert, dass er Herzrasen einige Minuten lang akzeptiert, bis er schockt." Es ist also wichtig seinen Defi individuell einstellen zu lassen und mit den Ärzten offen über Probleme zu sprechen. Zum Abschluss der Speicherabfrage druckt Maren Fröhlinghaus die Ergebnisse aus und hängt sie an die Akte.  Beim UKM darf der Patient den Ausdruck nicht mit nach Hause nehmen. Iim Ausdruck finden sich viele Paramter und Abkürzungen, dies würde den Patienten eher verunsichern“, sagt Fröhlinghaus.

Der von einigen Patienten als unangenehm empfundene Teil der Abfrage ist die Reizschwelle. Um überprüfen zu können, ob die Elektroden richtig eingestellt sind, wird die Herzfrequenz kurz künstlich erhöht.  „Das kann der Patient spüren“, sagt Cornelia Hoppe von Boston Scientific, „es kann sich so anfühlen, wie wenn man schneller die Treppe hoch gelaufen ist. Aber das ist nichts Schlimmes."  Laut der Dr. Julia Köbe vom UKM besteht nur bei den Patienten ein sehr kleines Risiko, die generell eine hohe Neigung zu Herzrhythmusstörungen haben. Deshalb laufe parallel zur Reizschwelle immer ein EKG mit, so dass man im Notfall direkt eingreifen könne. Patienten bräuchten deshalb keine Angst zu haben.

Doch auch wenn die Defi-Abfrage eine Routineuntersuchung ist, können Ängste bestehen bleiben. Die Defi-Liga rät deshalb die Angehörigen mit einzubeziehen und sich bei der Defi-Abfrage begleiten und unterstützen zu lassen.

Interview

Dr. Julia KöbeDr. Julia Köbe über die Defi-Abfrage“ (MP3-Datei)

Was genau passiert bei der Defi-Abfrage im UKM, welche Ängste viele Patienten haben, welche unnötig sind und wo Risiken liegen, darüber haben wir mit Dr. Julia Köbe vom UKM gesprochen.