Essen hält auch bei Defi-Patienten Leib und Seele zusammen – wie sie sich langfristig herzgesund ernähren können, besprach die Diätassistentin und Dipl. Medizinpädagogin Birgit Blumenschein mit ihren Gästen in ihrem Arbeitskreis. Foto: Essen hält auch bei Defi-Patienten Leib und Seele zusammen – wie sie sich langfristig herzgesund ernähren können, besprach die Diätassistentin und Dipl. Medizinpädagogin Birgit Blumenschein mit ihren Gästen in ihrem Arbeitskreis.Ist das Herz krank, bestimmt es über kurz oder lang unsere Ernährung – denn einige Lebensmittel gehören dann nicht mehr auf den Speiseplan. Und auch wenn wir unsere Ernährung nicht immer gerne oder leicht umstellen: es hilft. Welchen Einfluss unsere Essgewohnheiten auf eine Therapie haben kann, darüber wussten die Teilnehmer_innen nach Birgit Blumenscheins Arbeitskreis eine ganze Menge mehr. Die diplomierte Medizinpädagogin war gekommen, um über Ernährung, Körpergewicht, „Diäten“ und die mediterrane Ernährung zu sprechen – und unterfütterte ihre zahlreichen praktischen Beispiele und Hinweise mit den Ergebnissen aktueller Studien. Engagiert, fachkundig und wortwitzig warb Birgit Blumenschein so vor ihren hochaufmerksamen Gästen für das herzgesunde Essen und Trinken.

„Du bist, was Du isst.“ Dieser Spruch enthält eine Menge Wahrheit, denn unsere Ernährung hat Einfluss auf unsere Gesundheit und darauf, wie eine Therapie verläuft. Isst ein Patient optimal, so greift eine Therapie erwiesenermaßen besser und Folgeerkrankungen lassen sich mitunter reduzieren. Wichtig ist bei herzkranken Patienten auch immer das Körpergewicht. Ein Normalgewicht sollte das Ziel sein, denn häufig entstehen durch Übergewicht Erkrankungen, die das Herz-Kreislauf-System belasten. Maßstab für ein „gesundes“ Körpergewicht ist der sogenannte Body Mass Index – BMI. Er ist altersabhängig und formuliert eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße (Gewicht in kg/Körpergröße in m2). Werte normalgewichtiger Menschen liegen laut Adipositas-Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwischen 18,5 kg/m2 und 24,9 kg/m2. Ab einer Körpermaßzahl von mehr als 30kg/m2 gelten Menschen als behandlungsbedürftig übergewichtig. Wer seinen BMI nicht kennt, kann und sollte ihn bei einem Arztbesuch ermitteln lassen.

Schnelle Rettung durch Diät?

Ist jemand übergewichtig, liegt es nahe, eine Diät zu machen. Wobei „Diät“ dem griechischen Wort „díaita“ entstammt, was nichts anderes bedeutet als „gesunde Lebensweise“. Die Diätetik beschäftigt sich bis heute wissenschaftlich mit der richtigen Ernährungs- und Lebensweise. So leuchtete den Teilnehmer_innen schnell ein, dass Diätprodukte und Diätvarianten, bei denen sie für eine Zeit auf ein Nahrungsmittel verzichten der umgekehrt vermehrt ein Nahrungsmittel zu sich nehmen, nur am Rande etwas mit einer gesunden Lebensweise zu tun haben. Sie können kurzfristig erfolgreich sein, sind aber dauerhaft nicht zu empfehlen und auch nicht durchzuhalten.

Ernährung als langfristige Strategie

Und so warb Frau Blumenschein darum, Ernährungsgewohnheiten mit einer langfristigen Strategie umzustellen. Bestens dazu geeignet sei die angepasste mediterrane Ernährung – eine Variante der weithin bekannten „Kreta-Diät“. Frau Blumenschein lieferte dazu ein durchaus umsetzbares Rezept, dessen Hauptbestandteile große Portionen Gemüse und Obst sind und nur mäßige Portionen fettarmer Milchprodukte und Käse. Zusätzlich viele Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, Olivenöl, Samen und Nüsse als gesunde Fettlieferanten. Dazu drei Mal pro Woche Fisch und ein- bis zwei Mal pro Woche Fleisch bzw. Geflügel. Und schließlich: 1,5 bis 2 Liter kalorienarme Getränke pro Tag und maximal ein Glas Rotwein mit zwei alkoholfreien Pausentagen pro Woche. Klingt alles nicht nach Verzicht oder Askese – auch wenn nur einmal pro Tag zusätzlicher Zucker in Form von Süßigkeiten auf Frau Blumenscheins Plan stand. Denn auch sie kommt an einer Wahrheit über die gesunde Ernährung nicht vorbei: „Ohne Kalorienreduktion keine Gewichtsreduktion.“

Was Studien sagen

Um das Bild der gesunden Ernährung zu vervollkommnen, widmete Frau Birgit Blumenschein sich schließlich noch verschiedenen Studien. Sie belegen zum Beispiel, dass die Fette in Samen, Nüssen, Fisch und dem Olivenöl zu einer gesunden Ernährung beitragen. Die Fette in Leinsamen und Walnüssen – aber auch in Rapsöl und Walnussöl – sowie in Fischen wie Lachs, Thunfisch oder Makrele sind überdies reich an gesunden Omega-3-Fettsäuren. Weniger „schlimm“ als diskutiert, sei das Cholesterin, sofern man es in Kombination mit Ballaststoffen zum Beispiel in Vollkornbrot zu sich nehme. Auch den „Risikofaktor Salz“ sollte jeder kennen und es deshalb nicht mehr als 2 Teelöffel pro Tag davon verwenden, was 5-6 g entspricht – wobei eine Scheibe Vollkornbrot mit einer Scheibe Lyoner Wurst bereits mehr als 1 g Salz enthalten. Kommt dann das Salz für die Kartoffeln, das Salz in der Suppe und das Salz auf dem Ei noch dazu, ist die ungesunde Grenze bald erreicht. Ebenso leicht geht das mit dem Feierabendbier oder dem regelmäßigen „Gläschen“ Rotwein am Abend. Im gesunden Rahmen bleibt Alkohol nur, wenn man ihn nicht häufiger als an fünf Wochentagen konsumiert und nicht mehr als 0,33 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein.  

Auch wenn die Regeln und Hinweise anfangs gewöhnungsbedürftig sind: Zum Ende motivierte Frau  Blumenschein die Teilnehmer_innen, einmal darüber nachzudenken, ob sie überhaupt so viel ändern müssten, wenn sie sich gesünder ernähren wollten. Und sie erinnerte ihre Gäste daran, dass vor jeder Ernährungsumstellung immer das Gespräch mit dem Arzt und qualifizierten Ernährungsfachkräften stehen sollte.

 

Quellen:

  • Vortragscharts Birgit Blumenschein
  • Interview Birgit Blumenschein
  • www.wikipedia.de

 

Text: Birgit Schlepütz
Foto: Ilona Kamelle-Niesmann