Abbildung des WN-ArtikelsHerz-in-Takt: Selbsthilfegruppe für Menschen mit implantiertem Defibrillator

Es ist ein Streichholzschachtel-großes Gerät, das unter den Brustmuskelimplantiert wird. Es gibt bei Bedarf einen Stromstoß ab –und das aus dem Takt geratene Herz beginnt wieder zuschlagen. Die Rede ist von einem Defibrillator (Defi) – Menschen die einen plötzlichen Herztod überlebt haben oder unter medikamentös austherapierten, lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen leiden, benötigen dieses Hilfsmittel, um weiterleben zu können. Für den Patienten und seine Angehörigen bedeutet die Implantation dieses medizinisch-technischen Geräte seinen tiefen Einschnitt in die bisherige Lebenssituation, verbunden mit vielen Fragen, Ängsten und auch Einbußen an Lebensqualität. So erzählen es Betroffene.

Die „Herz-in-Takt-Defi-Liga „ist eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit implantiertem Defi, deren Angehörige und Freunde. Ihre Idee: sich austauschen, Probleme besser verstehen, sich gegenseitig Mut machen. „Das gegenseitiges Geben, Nehmen und Mitteilen der eigenen Erfahrungen steht im Mittelpunkt“, sagen die Mitglieder. „70 Prozent der Defi-Träger sind Senioren.“ Angelika Däne, erste Vorsitzende des Vereins, weiß, wovon die redet: Die Frührentnerin lebt mit einem neuen Herzen. 1992 bildete ein Dutzend Patienten die Selbsthilfegruppe  der Defi-Träger. Es war die erste Gruppe dieser Art in Deutschland und Siearbeitete bundesweit in der Patientenaufklärung. Heute zählt sie 120 Mitglieder.

An jedem ersten Freitag des Monats (außer in den Sommerferien) trifft sich der Kreis zu einem Informationsaustausch mit Gleichgesinnten in der Akademie Franz-Hitze-Haus. Jedes Jahr veranstaltet die Selbsthilfegruppe in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Münster ein Seminar mit Fachleuten aus Medizin, Technik, Psychologie, Sozial- und Rechtswesen: Die Tagung 2012 ist für den 10. und 11. März geplant. Fragen von Patienten und Angehörigen brennen auf den Nägeln: Kann ich meinem Beruf wieder nachgehen? Kann ich nach einer Implantation wieder Urlaubsreisen machen?

Antworten auf viele Themen gibt auch ein Handbuch von den Gründungsmitgliedern Dr. Klaus Hampel und Dieter Wetzel, das über den Defi-Verein bezogen werden kann. Helmut Kühlert, Beisitzer im Vereinsvorstand, hat viele Zukunftspläne. Der 62-jährige Buchbinder wünscht sich eine noch engere Zusammenarbeit mit Kardiologen: „Der Hinweis auf unseren Verein sollte bereits am Krankenbett erfolgen. Und auch die Feuerwehr und andere Rettungsdienste müssen im Umgang mit Defi-Trägern noch besser geschult werden“, wünscht er sich. Zudem sei es wichtig, so Kühlert, flächendeckend Defibrillatoren in öffentlichen Gebäuden, auf Bahnhöfen und bei Veranstaltungen zu installieren – die so genannten Volks-Defis: „Die Bedienung ist für Laien relativ einfach. Eine Computerstimme erteilt Schritt für Schritt die Anweisungen, wenn ein Bewusstloser nicht mehr atmet und die Gefahr eines plötzlichen Herztodes besteht.

Bericht aus der WN Münster von 11.08.2011