Die Grunderkrankung entscheidet

Ihre wichtigste Botschaft übermittelte Dr. Margraf gleich zu Beginn: „Ein Defibrillator ist in den meisten Fällen kein Grund, auf Bewegung zu verzichten. Im Gegenteil: Wenn Sie Ihre körperliche Aktivität an Ihre Herzerkrankung anpassen, können Sie Ihre Gesundheit, Ihre Lebensqualität und Ihre Leistungsfähigkeit verbessern.“

Die Empfehlungen zur körperlichen Aktivität orientieren sich deshalb nicht in erster Linie am Defi, sondern an der zugrunde liegenden Erkrankung. Für alle Betroffenen ist daher eine individuelle Einschätzung des persönlichen Risikos wichtig. Grundlage für eine solche Einschätzung sind die jeweils gültigen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Sie empfehlen vier Schritte:

  • Diagnose der Grunderkrankung
  • individuelle Risikoeinschätzung
  • gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient ("Shared Decision Making")
  • passende Behandlung und Trainingsempfehlung

Bewegung ausdrücklich erwünscht

Noch vor wenigen Jahren wurde Menschen mit Herzerkrankungen häufig geraten, sich körperlich zu schonen. Heute weiß man: Regelmäßige Bewegung gehört zur Therapie. Auch die ESC-Leitlinien empfehlen deutlich, dass sich bis auf wenige Ausnahmen jeder und jede sportlich betätigen sollten. Eine frische Herzmuskelentzündung oder eine kritische Durchblutungsstörung des Herzens unter Belastung sind solche Ausnahmen.

Körperliche Aktivität bei häufigen Grunderkrankungen

Viele ICD-Träger erhalten ihren Defibrillator aufgrund einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder einer hypertrophen Kardiomyopathie (HCM). Bei einer stabil eingestellten Herzschwäche wirkt regelmäßiges Ausdauertraining nachweislich positiv. Es verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit, reduziert Luftnot und kann Krankenhausaufenthalte verringern – allesamt positiv für die Lebensqualität. Während einer akuten Verschlechterung (dekompensierte Herzschwäche) steht dagegen die medizinische Behandlung im Vordergrund und der Sport sollte in dieser Phase pausieren. Die HCM ist eine meist erblich bedingte Verdickung des Herzmuskels. Hier ist eine besonders sorgfältige individuelle Risikobewertung wichtig. Doch auch bei HCM gilt, dass Sport nicht grundsätzlich verboten ist. Welche Belastung sinnvoll ist, wird gemeinsam mit den behandelnden Ärzten festgelegt.

Ausdauertraining steht an erster Stelle

Für die meisten Menschen mit Defi empfiehlt sich ein angepasstes Ausdauertraining von etwa 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen pro Woche, zum Beispiel

  • zügiges Gehen
  • Radfahren
  • Nordic Walking
  • Schwimmen
  • Tanzen
  • leichtes Joggen
  • Training auf dem Heimtrainer
  • Auch Krafttraining kann sinnvoll sein – allerdings nur nach Rücksprache mit dem Kardiologen. Empfehlenswert sind geringe Gewichte und viele Wiederholungen statt maximaler Belastungen.

Wichtig ist es, die persönliche Leistungsgrenze möglichst durch Belastungstests bestimmen zu lassen. Erst dann lässt sich die passende Trainingsintensität sicher festlegen. Herzfrequenzmesser oder Smartwatches können dabei helfen, die vereinbarte Trainingsintensität einzuhalten.

Der Alltag hilft mit

Nicht nur Sport verbessert die Herzgesundheit. Schon kleine Veränderungen im Alltag summieren sich und tragen dazu bei, Herz und Kreislauf zu stärken.

  • Nehmen Sie die Treppe anstelle des Aufzugs. Sind es zu viele Treppenstufen, schaffen Sie vielleicht eine Etage.
  • Sofern Sie fest im Sattel sitzen, ist das Fahrrad eine gute Alternative zum Auto. Es muss nicht der Wocheneinkauf sein, aber der Weg zu Freunden hat vielleicht eine Distanz, die Sie gut bewältigen können.
  • Im Vergleich zum Sitzen fördert das Stehen den Blutfluss – denn es unterstütz die so genannte Muskelpumpe in den Beinen. Damit können Sie Schwellungen (Ödemen) vorbeugen und Ihren gesamten Kreislauf anregen.

Am Ende des Gesprächskreises waren die Teilnehmenden bestens ausgestattet mit viel Wissen über Herz, Sport, Bewegung im Alltag und die Bedeutung der persönlichen Leistungsgrenze.