Wie kann die Elektrode die T-Klappe stören?

Die T-Klappe funktioniert wie ein Ventil zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Sie sorgt dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt. Damit sie dicht schließt, müssen sich ihre drei feinen Klappensegel frei bewegen und exakt aufeinandertreffen können. Eine Defi- oder Schrittmacher-Elektrode kann verhindern, dass die T-Klappe sich vollständig schließt. Als Folge fließt Blut zurück in den Vorhof und schwächt die Herzfunktion. In diesem Fall spricht man von einer T-Klappen-Insuffizienz. Sie entsteht meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer elektroden-assoziierten und einer elektroden-bedingten T-Klappen-Insuffizienz. Bei der elektroden-assoziierten T-Klappen-Insuffizienz besteht ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Implantation der Elektrode und der Undichtigkeit, ohne dass die Elektrode alleinige Ursache sein muss. Bei der elektroden-bedingten T-Klappen-Insuffizienz ist die Elektrode direkt verantwortlich. Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Die Defi-oder Schrittmacher-Elektrode kann die Beweglichkeit dieser Klappensegel mechanisch beeinträchtigen. In manchen Fällen liegt die Elektrode so, dass sie ein oder mehrere Segel leicht zur Seite drückt oder daran hindert, sich vollständig zu schließen. Dadurch entsteht eine kleine Lücke, so dass bei jedem Herzschlag Blut teilweise zurückfließt.
  • Im Laufe der Zeit können sich auch Verwachsungen bilden. Das passiert dann, wenn der Körper auf die Elektrode als Fremdkörper reagiert und Gewebe bildet, das die Elektrode mit den Klappensegeln verbindet. Dadurch werden die Klappensegel unbeweglicher.
  • In seltenen Fällen kann die Elektrode auch direkt ein Klappensegel verletzen oder durch ungünstige Lage dauerhaft fixieren.
  • Ein weiterer Faktor ist die langfristige Belastung des Herzens. Durch die Stimulation und bestehende Herzerkrankungen kann sich die rechte Herzkammer vergrößern. Dadurch verändert sich auch die Form der Klappe, und selbst kleine Störungen durch die Elektrode können dann stärker ins Gewicht fallen.

Leichte Veränderungen der Trikuspidalklappe sind bei Menschen mit transvenösen Defis und Schrittmachern nicht selten. Etwa ein Viertel der Patientinnen und Patienten entwickelt zumindest eine leichte Undichtigkeit. Schwerere Verläufe sind jedoch deutlich seltener und treten in etwa fünf Prozent der Fälle auf. Das Risiko hängt zudem stark von der individuellen Ausgangssituation ab. Insbesondere bei einer bereits bestehenden Herzerkrankung oder einer Vergrößerung der rechten Herzkammer ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich eine relevante Klappenundichtigkeit entwickelt oder fortschreitet.

Welche Beschwerden können auftreten?

Eine T-Klappen-Insuffizienz bleibt häufig lange unbemerkt. Erst im weiteren Verlauf können Symptome auftreten, die auf eine Belastung des rechten Herzens hinweisen. Dazu gehören:

  • verminderte körperliche Belastbarkeit
  • Luftnot
  • Wassereinlagerungen in den Beinen oder im Bauch
  • Gewichtszunahme durch Flüssigkeitsansammlungen
  • Verdauungsbeschwerden

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Die wichtigste Methode zur Beurteilung der T-Klappe ist der Herzultraschall. Mit diesem bildgebenden Verfahren lässt sich feststellen, in welchem Maße die Klappe undicht ist und ob die Elektrode dabei eine Rolle spielt. Darüber kann man bei einem Herzultraschall den genauen Mechanismus der Klappenstörung erkennen und die weitere Behandlung darauf abstimmen. Die Behandlung richtet sich immer nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Beschwerden. In vielen Fällen steht zunächst eine medikamentöse Therapie im Vordergrund, insbesondere zur Entlastung des Herzens und zur Behandlung von Wassereinlagerungen. Ist die Elektrode eine wesentliche Ursache der T-Klappen-Insuffizienz, kann eine Anpassung oder Entfernung in Kombination mit einem alternativen Schrittmacher-System notwendig werden. In bestimmten Situationen können dann subkutane oder extravaskuläre Defi-Systeme zum Einsatz kommen. Bei diesen Systemen verlaufen die Elektroden außerhalb des Herzens und beeinflussen die T-Klappe nicht. Diese Optionen sind jedoch nicht für alle Patientinnen und Patienten geeignet und müssen individuell geprüft werden.

Bei ausgeprägten Schäden der Trikuspidalklappe stehen heute mehrere Behandlungsverfahren zur Verfügung. Diese unterscheiden sich vor allem darin, ob eine offene Operation notwendig ist oder ob die Behandlung schonend über einen Katheter erfolgt. Dr. Kaleschke zeigte damit zum Ende seines Vortrags, wie vielfältig die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sind. Je nach Ursache, Schweregrad und individuellem Risiko kann für die meisten Patientinnen und Patienten eine passende Therapie gefunden werden.

  • TEER -Verfahren: Bei diesem Verfahren werden die Klappensegel gezielt näher zusammengebracht. Über einen Katheter wird ein kleiner Clip an die Klappe geführt, der zwei Segel miteinander verbindet. Dadurch schließt die Klappe wieder besser und es fließt weniger Blut zurück.
  • TTVI-Verfahren: Hier wird die erkrankte Klappe nicht repariert, sondern vollständig ersetzt. Über einen Katheter wird eine neue künstliche Klappe in das Herz eingebracht und an der Stelle der alten Klappe verankert.
  • Cardioband: Dieses Verfahren zielt auf den Klappenring ab, also die Struktur, an der die Klappensegel befestigt sind. Wenn dieser Ring erweitert ist, schließen die Segel nicht mehr richtig. Beim Cardioband wird ein Band um den Klappenring gelegt und anschließend zusammengezogen, sodass sich der Ring verkleinert und die Segel wieder besser aufeinandertreffen.
  • TricValve: Dieses Verfahren geht einen anderen Weg: Anstatt die Trikuspidalklappe selbst zu behandeln, werden Klappen in die großen Zufluss-Venen des Herzens (obere und untere Hohlvene) eingesetzt. Dadurch wird verhindert, dass das zurückfließende Blut in die Herzkammer gelangt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Defibrillator-Elektroden und T-Klappe in den meisten Fällen gut vertragen. Dennoch kann es bei einem Teil der Patientinnen und Patienten zu einer Beeinträchtigung der Klappenfunktion kommen. Entscheidend sind daher regelmäßige kardiologische Kontrollen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Dank moderner diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten stehen heute vielfältige Behandlungsoptionen zur Verfügung, die individuell angepasst werden können.